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Als die Gedanken in der Luft gefroren

  • Autorenbild: chiarasue
    chiarasue
  • 6. Dez. 2020
  • 2 Min. Lesezeit

Was für eine Woche! Winter pur, würde ich sagen ;) Bei uns hat es den ersten Schnee gegeben (der inzwischen leider bereits den Sonnenstrahlen zum Opfer gefallen ist) und heute durften wir endlich die zweite Kerze am Adventskranz anzünden! Nicht zu vergessen, dass heute der Nikolaustag ist! Allerdings ist es - wie alles in diesem Jahr - ein etwas anderer Nikolaustag. Zumindest bei uns wird er nicht persönlich vorbeischauen. Und genau wie 2020 ist auch der folgende Text, den ich heute gerne mit euch teilen würde, etwas anders :) Viel Spaß beim Lesen!


Als die Gedanken in der Luft gefroren


Es war ein sonniger Montagmorgen, als mein Kopf beschloss, er sei überladen. Im ¾-Takt des Donners, der über die Ebene schallte, schoss er einen Gedanken nach dem anderen in die kalte Nachtluft hinaus. Die eisigen Temperaturen überzogen die zahlreichen Ideen und Fragen mit einer Schicht aus fragilem Eis, so dass sie laut klirrten, wenn sie aufeinandertrafen.

Das zerbrechliche Geräusch schmerzte in meiner Nase. Ich musste mich abwenden, um bei dieser Hitze nicht auch noch den Verstand zu verlieren. Ein schattiges Plätzchen unter einem Erdbeerbaum bot mir schließlich das passende Versteck, um mich vor dem strömenden Regen in Sicherheit zu bringen.

Doch meine Bemühungen waren vergeblich. Weiter klingelten meine Gedanken laut über mir, als ob sie wieder zurück in mein Gehirn wollten. Leider hatte das kleine Häuschen, in dem gewöhnlich der Eintritt verkauft wurde, geschlossen. Kein Wunder bei diesem Traumwetter. Da hatte der Kassier bestimmt Besseres zu tun.

Laut seufzend erhob ich mich und überlegte, ob ich nicht meinen alten Drachen im Keller wieder ausgraben und ihn in die Lüfte schicken sollte. Windig genug war es dafür auf jeden Fall. Dann fiel mir aber ein, dass ich gestern vergessen hatte, ihn zu füttern. Vermutlich war er böse auf mich und würde sich auf keinen Schneespaziergang einlassen. Ein Schweißtropfen landete auf meiner Hand. Stirnrunzelnd sah ich auf und beobachtete, wie meine Gedanken voller Wehmut zu weinen begannen. Womöglich setzten ihnen die andauernden Blitze zu. Kopfschüttelnd trat ich aus dem Schatten hervor und pflückte mir im Vorbeigehen eine Heidelbeere. Erfrischend salzig zersprang ihre Haut zwischen meinen Zähnen. Da ließ mich ein durchdringender Geruch nach Rauch aufschrecken. Gemächlich eilte ich dem Klang nach und erreichte zügig den Wasserfall.

Es war nichts passiert. Einigermaßen beruhigt atmete ich tief aus und ein. Am Ende hätte noch mein Heim umgeworfen werden können. Ermutigt beschloss ich, dort nach dem Rechten zu sehen. Ah! Beinahe hätte ich vergessen, mein Ohr lang zu ziehen, so dass die Gedanken durch meinen Mund zurück in mein Gehirn rutschen konnten. Wie warmer Kakao flossen sie über meine Zunge. Zufrieden streichelte ich mir durch die Locken, spannte meinen Regenschirm und da fiel mir auch wieder ein, dass ich den Drachen heute noch nicht gefüttert hatte.



Wie gemein ein Text doch sein kann, oder? Kaum denkt man, man hat ihn verstanden, passiert schon wieder etwas, was nicht dazu passt. Ist er deswegen sinnlos? Oder einfach nur anders? Nun ja, für mich hat er ziemlich viel Ähnlichkeit mit der Realität, auch wenn es ein surrealer Text ist. Denn verhält sich das Leben nicht ebenso? Man kann es nicht fassen, nicht begreifen, sondern nur zuschauen und hin und wieder über die fehlende Logik schmunzeln...


Ich wünsche noch einen schönen Sonntag und hoffentlich erreicht euch trotz allem eine Kleinigkeit vom Nikolaus :)



 
 
 

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