Besuch unter der Dusche
- chiarasue

- 22. Juli 2020
- 2 Min. Lesezeit
Hallo alle miteinander!
Heute habe ich mal eine Frage an dich: Spielst du auch manchmal im Kopf gewisse Szenen, die du erlebt hast, nach? Vielleicht einen Streit? Ich mache das nämlich andauernd. Meistens unter der Dusche. Und dann im Nachhinein fallen mir die besten Argumente ein. In meinem Kopf diskutiere ich da immer jeden in Grund und Boden.
Oder aber ich stelle mir andere Situationen vor. Meistens versuche ich, etwas, was bereits geschehen ist, noch einmal zu überdenken und im Nachhinein zu überlegen, was ich anders/besser machen hätte können. Mein Gehirn verarbeitet beim Duschen wohl oft meine Fehler bzw. das, was es als Fehler abstempelt.
Hin und wieder denke ich aber auch über Dinge nach, die ich erst tun will. Ich stelle mir die Situation vor und lege mir exakt die richten Worte zurecht. (Wenn es dann allerdings ernst wird, stotterte ich meistens.) Ich male mir genau aus, wie die andere Person reagieren wird und alles perfekt abläuft. Natürlich kommt es dann nie so, wie ich es mir vorgestellt habe, aber ich mache es trotzdem. Warum?
Keine Ahnung.
Ist es eine innere seelische Vorbereitung auf ein Thema, das mich beschäftigt? Ist es ein seltsames Eigenritual von mir? Oder ist mir beim Duschen einfach immer langweilig, so dass mein Kopf sich eine Beschäftigung sucht? Wobei ich erwähnen sollte, dass ich mir solche Situationen nicht nur beim Duschen vorstelle. Manchmal esse ich auch oder putz mir die Zähne oder schäle Kartoffeln (in letzter Zeit schäle ich echt viele Kartoffeln) oder will eigentlich an meinem Buch weiterschreiben und kann mich nicht richtig konzentrieren.
Also habe ich eine Theorie entwickelt, weshalb mich diese Vorstellungen immer wieder einholen und nach Aufmerksamkeit verlangen: Es sind Geschichten. Geschichten, die gehört werden wollen. Es sind Geschichten, die so nicht passiert sind, aber trotzdem darauf bestehen zu existieren. Also haben sie beschlossen, sich mir vorzustellen, ob ich das will oder nicht. Sie zeigen, was hätte sein können/sein könnte und wie filmreif das gewesen wäre. Sie grenzen sich deutlich von der Realität ab, weil nie ein Gespräch so makenfrei abläuft, wie ich es mir vorstelle (wie gesagt stottere ich manchmal, wenn ich nervös werde).
Nun bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass diese Geschichten es auch verdient haben zu existieren. Vielleicht lasse ich ja eine solche Szene einmal in einen meiner Texte einfließen. Denn schlecht sind sie nicht. Hin und wieder etwas kitschig, aber ich bin ja grundsätzlich Kitsch gegenüber nicht gänzlich abgeneigt ;)
Also lass dich überraschen. Wenn dir in einer meiner Geschichte ein Dialog besonders gelungen oder unwirklich perfekt erscheint, hat er mich wahrscheinlich unter der Dusche besucht. Und das meine ich ganz eindeutig und jugendfrei.
Zurück zu meiner Frage: Machst du das auch? Situationen im Kopf nachspielen und plötzlich wissen, was du sagen hättest sollen? Oder dir vorstellen, wie ein Ereignis ablaufen wird? Oder duschen?
Na letzteres hoffentlich schon. Ich wünsche dir eine schöne zweite Wochenhälfte und bis Sonntag!

P.S.: Die Idee zu diesem Beitrag kam mir übrigens auch unter der Dusche! Und nein, ich stehe nicht stundenlang darunter und warte, bis mir Ideen kommen… Aber was lernen wir daraus: Immer brav duschen gehen!



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