Das Wichtigste beim Arbeiten
- chiarasue

- 27. Mai 2020
- 4 Min. Lesezeit
Wenn mich jemand fragen würde, was am Arbeiten das Wichtigste ist, würde ich vermutlich spontan antworten: Konzentration. Oder vielleicht Durchhaltevermögen oder Motivation. Heute ist mir bewusst geworden, dass das nicht der Fall ist. Das Wichtigste beim Arbeiten ist das Nichtarbeiten: die Pausen.
Egal, ob man unter Arbeit körperliche oder psychische Anstrengung oder gar beides versteht, Pausen sind absolut essenziell. Ohne die Zeit dazwischen, die wir vielleicht kaum beachten oder aber in vollen Zügen genießen, wäre jede Arbeit irgendwann zu anstrengend oder langweilig. Selbst wenn es um solche Aktivitäten wie das Schreiben geht, spüre ich nach einer gewissen Zeit, dass ich eine Pause brauche. Spätestens wenn meine Augen vom vielen Auf-den-Laptop-Schauen flimmern oder meine Handgelenke gegen eine weitere Tippbewegung protestieren, weiß ich, dass ich eine kurze Auszeit brauche. Oftmals reicht dann schon eine kurze Pause, während der ich nur schnell im Badezimmer verschwinde oder etwas esse. In anderen Fällen ist dann schon eine länger anhaltende Nicht-Schreib-Zeit notwendig, die manchmal sogar einige Tage dauert, weil ich mich nicht aufraffen kann, mich wieder vor den Laptop zu setzen.
Eine Art von Pause, die (hoffentlich) jeder von uns kennt, ist der Urlaub. Eine Pause hat auch immer mit Abstand zu tun. Im Urlaub bist du (meist) nicht nur psychisch weit weg von der Arbeit, sondern oft auch physisch. Körper und Gehirn können einfach einmal loslassen und andere Sachen genießen. Es ist eine Abwechslung zum Alltag gegeben, die in dir das Gefühl stärkt, dass es auch in Ordnung ist, einige Tage (oder Wochen) nicht zu arbeiten. Im Endeffekt vermisst du dann die Arbeit vielleicht sogar und kannst vollgetankt mit neuer Motivation wieder in den Alltag starten.
Natürlich braucht es nicht immer gleich einen ganzen Urlaub, wenn du das Gefühl hast, dir platzt vor lauter Arbeit der Schädel. Oft reicht es, das Projekt, an dem du gerade arbeitest, stehen und liegen zu lassen, dich in die Sonne zu setzen und eine Tasse Kakao/Tee/Kaffee zu trinken. Manchmal fühlst du dich vielleicht, als könnte nur ein Glas von etwas Stärkerem helfen. Auch das kann eine gute Hilfe sein. Natürlich nur, wenn es unter den gegebenen Umständen erlaubt ist. Als Pilot weit über der Erdoberfläche würde ich davon zum Beispiel dringend abraten. Als Pilot kann man aber auch irgendwie schlecht eine Pause während des Flugs machen. Na ja, sieht ganz so aus, als könnte man meinen tollen Pausenplan nicht in jedem Beruf ausüben…Aber selbst wenn man hoch oben in einem Cockpit sitzt, darf man sich erlauben, für einen Moment die Augen zu schließen, tief durchzuatmen und sich eine Miniminipause zu gönnen.
In anderen Situationen ist es einfacher, sich von der Arbeit zu distanzieren. Das Problem ist hier nur möglicherweise, dass sich manche Menschen nicht erlauben, eine Pause zu machen. Zu dieser Art gehöre definitiv auch ich. Wenn ich etwas erledigen muss, dass ich nicht gerne tue, bringe ich es am liebsten so schnell wie möglich hinter mich. Stur und schlecht gelaunt natürlich. Dabei wäre es in diesen Fällen viel sinnvoller, die Arbeit einen Moment ruhen zu lassen, sich mit etwas zu beschäftigen, dass einem Spaß macht und anschließend sieht die wartende Aufgabe vielleicht gar nicht mehr soooo düster aus. Allerdings muss ich mich da oft selbst an der eigenen Nase nehmen und mich daran erinnern, dass es besser wäre, eine Pause einzulegen. Manchmal gelingt es, manchmal nicht. Dann habe ich die unangenehme Arbeit wenigstens schnell hinter mir. Aber danach empfehle ich jedem eine Pause, bevor man sich an die nächste, möglicherweise noch bevorstehende, Aufgabe heranwagt.
Eine weitere Problematik, die eng mit Pausen verknüpft ist, ist die Tatsache, dass diese Zeiten zum Ausspannen oft strikt vorgegeben sind. Als hervorragendes Beispiel dafür dient die Schule. Dort kannst du dir nicht aussuchen, wann du kurz einmal Durchatmen und den Kopf freikriegen willst. (Na gut, so ganz stimmt das nicht, man kann sich ja immer schnell mal auf’s Klo vertschüssen.) Aber es gibt nun mal einige Stunden, in die man ruhig mehr Pausen einbauen könnte. Allerdings empfindet dies dann wieder jeder individuell. Man kann es halt nie allen rechtmachen. In solchen Situationen empfehle ich dasselbe wie im Pilotenszenario: Lenk einfach kurz die Aufmerksamkeit davon ab, wo sie gerade ist und atme tief durch. Sich eine Traumreise während des Unterrichts oder der Arbeit zu erlauben, ist kein Verbrechen. Und wenn dir der Lehrer (oder im riskanteren Fall, Arbeitgeber) just in dieser Zeit eine Frage stellen sollte, antwortest du einfach: „Das weiß ich leider noch nicht.“
Fakt ist, dass jeder Mensch hin und wieder eine Pause braucht, um Kräfte zu tanken und Abstand zur momentanen Tätigkeit zu gewinnen. Wie (und ob) man diese Pausen füllt, bleibt die eigene Entscheidung. Es ist eine Zeit, die du ganz allein für dich nutzen oder mit Freunden verbringen kannst. Es ist deine Möglichkeit, deinen Tag so zu gestalten, wie du willst. Und genau das ist das Schöne und Wichtige daran.
Apropos Pausen: Auch vom Blogschreiben braucht man Pausen. So gerne ich das auch mache, habe ich beschlossen, eine einwöchige Auszeit einzulegen. Keine Sorge, ich gehe nicht verloren. Spätestens am Sonntag nach kommendem hört ihr wieder von mir! Bis dahin alles Gute und eine schöne, pausenreiche Zeit!




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