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Der schmale Grad zwischen Faulheit und Genuss

  • Autorenbild: chiarasue
    chiarasue
  • 27. Sept. 2020
  • 3 Min. Lesezeit

Wer kennt es nicht? Man liegt auf der Couch, das Handy in der Hand und macht sich Vorwürfe, dass man eigentlich aufstehen und produktiv sein sollte. Dieses Szenario spielt sich bei mir beinahe täglich ab. Einerseits denke ich mir, dass ich nicht so streng mit mir sein sollte und auch einmal das Nichtstun genießen darf. Andererseits mahnt mich eine innere Stimme, dass ich das aber auch nicht jeden Tag machen kann und außerdem schon viel zu lange hier faulenze. Auf wen soll ich nun hören?


Heute Morgen habe ich mich aufgerafft, was gut ist, weil sonst dieser Blogbeitrag nie entstanden wäre. Das schaffe ich aber nicht jeden Tag. Die Zeit verstreicht und verstreicht, ich bewege mich auf sozialen Netzwerken, starre in die Luft oder diskutiere mit mir selbst über eventuelle Vorkommnisse in der Zukunft. Irgendwann ist dann der Nachmittag um und ich erledige in einem schnellen Rausch noch das Nötigste, um in Ruhe schlafen gehen zu können. Wenn ich dann im Bett liege, fühle ich mich schlecht, weil ich so wenig hinter mich gebracht habe. Dann frage ich mich manchmal, ob ich nicht etwas gnädiger mit mir selbst sein sollte. Immerhin habe ich doch das ein oder andere geschafft und bin generell ein eher fleißiger Mensch.


Wo ist also diese Grenze zwischen Faulheit und Genuss? Wann tue ich zu wenig und wann zu viel? Ich bin mir sicher, dass diese Schwelle bei jedem Menschen woanders liegt und vor allem ganz viel mit Selbstwahrnehmung zu tun hat. (Ich bin mir zum Beispiel ziemlich sicher, dass mein Bruder sich nicht als faul betrachten würde, läge er so lange auf der Couch wie ich.) Wo liegt also mein perfektes Maß?


Beginnen wir bei den zwei Extremen:


1. Ich stehe den ganzen Tag nicht still, bin von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang produktiv. Wie viel ich weiterbekommen würde! Die Caecilia-Darkata-Reihe wäre bestimmt schon vervollständigt. Aber wäre ich glücklich? Hätte ich überhaupt noch Zeit, stolz auf diese vielen Errungenschaften zu sein? Eigentlich bin ich nach einem ausgefüllten Tag mit einer abgehakten To-Do-Liste immer sehr zufrieden mit mir. Aber könnte ich das überhaupt? Ein vollkommen geplantes und geordnetes Leben führen? Ich schließe es nicht aus, will mich aber auch nicht von meiner Überzeugung abwenden, dass Pausen wichtig sind.


2. Ich mache den ganzen Tag praktisch nichts. Ich liege im Bett, esse Tiefkühlpizza, fernsehe oder lese. Da werde ich ja schon vom Schreiben müde. Nein, das kann nicht das Wahre sein. Immer nur auf der Stelle zu stehen und sich keinen Meter vorwärtszubewegen, ist nichts für mich.


Beide Seiten sind also irgendwie wichtig, aber in ihrem Extrem gefährlich. Ich persönlich bin zu dem Entschluss gekommen, dass ich mich durchaus öfter aufraffen sollte, um etwas zu tun. Und sei es nur spazieren zu gehen oder zu kochen. Allerdings darf ich auch nicht zu streng mit mir sein. Ich weiß, dass ich grundsätzlich nicht faul bin. Dennoch verurteile ich mich allzu schnell und schimpfe mich, weil ich einen Tag lang nicht so viel erledigt habe, wie ich mir ursprünglich vorgenommen habe. Ich muss lernen, dass es solche Tage auch geben darf. Wenn mein Körper stur auf der Couch liegen bleiben will, darf er das. Irgendwann wird ihm von selbst langweilig und ich bekomme wieder Lust, produktiv zu sein.


Ich stelle mir diese Pausen als Art Ladezeiten vor. Hin und wieder kommt es vor, dass die Batterie unseres Körpers aufgebraucht ist. Dann müssen wir uns eine Weile hinlegen und faul sein, bis sie wieder vollständig geladen sind. Den vollen Akku zu lange laden zu lassen, kann ihn jedoch beschädigen. Man muss aufpassen, dass man ihn auch wieder mal absteckt und verbraucht. Zudem hält der Akku längere Zeit, als er zum Laden braucht (im optimalen Fall zumindest). Das Verhältnis zwischen Aktivität und Faulheit lässt sich mit dieser Metapher also auch abbilden. Ich bin praktisch ein Handy ;)


Apropos habe ich mich entschlossen, in Zukunft weniger Zeit auf Social Media und im Internet zu verbringen. Es sind gerade diese Plattformen, die einen großen Teil meiner Zeit rauben und mich zu lange an das Ladekabel hängen. Aber das ist ein anderes Thema. Wenn es euch interessiert, könnt ihr das gerne in die Kommentare schreiben, dann mache ich vielleicht einen eigenen Beitrag dazu.


Ich hoffe, ich konnte euch meine Sicht der Produktivitäts- und Faulheitsgrenze etwas näher bringen. Ich freue mich schon auf nächsten Sonntag, bis dann!


Und bitte verzeiht meine Zeichenkünste! Nächstes Mal mache ich wieder ein hübsches Foto ;)


 
 
 

1 Kommentar


tobihauer001
tobihauer001
27. Sept. 2020

Du super Handy ;)

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