Der Zorn
- chiarasue

- 1. Nov. 2020
- 2 Min. Lesezeit
Guten Abend!
Gestern war Halloween. Früher bin ich an diesem Abend mit meinen Freundinnen durch die Nachbarschaft spaziert und habe Süßigkeiten gesammelt. Heute wäre das ohne Desinfektionsmittel und Mundnasenschutz wahrscheinlich gar nicht erlaubt. Um trotzdem etwas Gruselstimmung zu verbreiten, habe ich euch diesen Text mitgebracht, den ich vor einigen Jahren geschrieben habe und auf den ich zugegebenermaßen schon ziemlich stolz bin :)
Der Zorn
Groß gewachsen wabert er nebelgleich durch die Straßen. Diejenigen, die er streift, durchfährt ein Blitzstoß, welcher ihre Adern mit Strom durchflutet und ihre Vernunft zu Asche zerfallen lässt. Er schleicht sich hinterrücks an seine Opfer an, dringt in sie, bevor sie seinen kalten Hauch an der Wange spüren. Seine Fußspuren fangen Feuer und lassen nichts als Verwüstung zurück. Die gewittergrauen Wolken, die wie ein finsterer Schleier hinter ihm herwehen, sind seine ständigen Verfolger.
Vor ihm liegt das Licht. Er jagt es seit Ewigkeiten, während sein Schatten die Welt verdunkelt. Blind ist er für alles, was seine Gestalt berührt. Manche behaupten, er sei rücksichtslos, doch er kennt nichts anderes. Nichts als das Licht.
In seinem Rücken zerfallen Berge zu Staub, verdeckt der Rauch die Sicht der Lebenden und verschlingt das Feuer, was sich in seine Nähe wagt. Menschen werden zu Tieren, was heilte zu Gift, Freunde zu Verrätern, Liebe zur Waffe, Lebende zu Toten.
Der Gestank der Verbrannten haftet an seinen Kleidern. Das Geschrei der von ihm Zurückgelassenen folgt ihm auf Schritt und Tritt für alle Zeit, während seine Füße nie die unversehrte Erde berühren werden, welche seine Augen herbeisehnen. Sein Kuss schmeckt nach Eisen und Blut, nach Rache, nach Freiheit. Nach dem leeren Versprechen des Lichts, das niemand, weder er selbst noch die hinter ihm Liegenden je erreichen werden, solange er sich nicht selbst verrät. Doch dies wir niemals geschehen, denn der Zorn ist kein Verräter. Er fälscht, er lügt und betrügt, er würde alles tun, um ins Licht zu gelangen, doch er wird sich nicht ändern, sich selbst nicht zerstören und so bleibt die Jagd sein ewiges Gefängnis.
Ich hoffe euch hat der Text gefallen! Der Zorn ist vielleicht kein typisches Gruselwesen, aber manchmal kann einem eine richtig wütende Person schon ziemlich Angst einjagen, findet ihr nicht?
Ich wünsche einen guten Start in den nebligen November! (Lockdown inkludiert...)
Bis nächste Woche!




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