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Die perfekten Protagonisten

  • Autorenbild: chiarasue
    chiarasue
  • 22. Apr. 2020
  • 4 Min. Lesezeit

Die Figuren sind eines der wichtigsten Elemente einer Geschichte. Sie sind wesentlicher Teil der Handlungen und vor allem bieten sie dem Leser eine Art Tunnel, durch den er sich mit den Geschehnissen identifizieren kann. Aber wie gestalte ich diese Figuren? Was sollen sie für Eigenschaften haben? Wie schaffe ich es, dass sie nicht zu langweilig werden?


Vorab: Es gibt kein Rezept, mit welchen Zutaten man die perfekte Figur mischen kann. Ein Merkmal, an dem man erkennen kann, ob eine Figur gelungen ist, ist die Authentizität. Wenn man sie für real halten würde, wenn sie plötzlich vor einem stünde. Eine gelungene Figur lebt von selbst und braucht keinen Autor, der sie führt und ihr Worte in den Mund legt.


Dennoch gibt es einige Tipps und Tricks, wie man seine Protagonisten glaubhaft gestalten kann. Um die richtigen Eigenschaften zu wählen, ist es einmal wichtig zu wissen, welche Art Geschichte man schreibt. Die Personen in Büchern sind anders als die Personen in Kurzgeschichten und die wiederum anders wie jene in lyrischen Werken. Im Folgenden werde ich mich auf die Protagonisten in Büchern oder zumindest längeren Geschichten konzentrieren. (Vielleicht folgt ja bald eine Fortsetzungen zu den Personen in Kurzgeschichten :) )


Die Figur, die am meisten Verantwortung für die Reaktion beim Leser trägt, ist natürlich die Hauptperson. Ich wage zu behaupten, dass dabei das Aussehen keine allzu große Rolle spielt. Selbstverständlich ist es wichtig zu erfahren, wie die Person aussieht, damit man sie sich vorstellen kann, aber ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass ich mir die äußerlichen Zustände des Hauptprotagonisten nicht oft ins Gedächtnis rufe. Er fungiert wirklich nur als Tunnel, um mir seine Welt zeigen zu können. (An dieser Stelle möchte ich mich dafür entschuldigen, dass ich nicht gendere. Ich finde dies stört oft den Lesefluss. Ich spreche natürlich auch von Leserinnen, Hauptprotagonistinnen und sonstigen -Innen aller Art :) )


Die Hauptperson ist diejenige, mit der sich der Leser am meisten identifiziert. Deshalb empfinde ich es oft als entspannend, wenn sie keine außergewöhnlichen Charakterzüge hat, damit sich jeder Leser in irgendeiner Weise angesprochen fühlen kann. Diese neutralen Hauptpersonen können selbstverständlich introvertiert oder extrovertiert, clever oder von weniger Intelligenz, pessimistisch oder optimistisch sein. Diese Charaktermerkmale sind zulässig und auch wichtig, um die Person nicht unrealistisch oder langweilig wirken zu lassen. Was ich meine ist, dass sie zum Beispiel nicht so übermäßig hibbelig sein soll, dass die ganze Geschichte ins Lächerliche gezogen wird.

Allerdings kann es auch spannend sein, Bücher aus Sicht einer besonders außergewöhnlichen Person zu lesen. Mir fällt da gleich ein ganz bestimmter Roman ein. Der Hauptprotagonist war extrem von sich selbst überzeugt und arrogant. Ich fand das Buch genau dadurch interessant und amüsant. Niemandem von den Mitgliedern meiner Literaturgruppe (einschließlich der Lehrerin) hat das Buch sonst noch gefallen. Es ist also riskant, den Hauptprotagonisten (vor allem wenn aus der Ich-Perspektive erzählt wird) unsympathisch zu gestalten. Dasselbe gilt für Hauptprotagonisten, die sich auffällig vom Durchschnittsmenschen unterscheiden. Sie können interessant wirken, sie können den Leser aber auch nerven. Ich habe selbst ein Buch geschrieben, in dem einige Hauptprotagonisten unsympathisch sind. Die Rede ist von "Die sieben Gezeichneten". Der Vorteil bei diesem Roman ist, dass die Erzählperspektive wechselt und man somit nicht durchgehend in Kontakt mit den unsympathischen Hauptpersonen steht.

Also zusammengefasst; Ich empfehle es, die Hauptprotagonisten zwar authentisch, aber nicht zu ungewöhnlich zu gestalten, wenn der Roman durchgehen aus der Sicht von dieser Person erzählt wird, damit sich der Leser besser mit ihr identifizieren und auf diesem Weg tiefer in die Geschichte eintauchen kann. Ganz besonders toll finde ich auch immer, wenn die Hauptperson während der Lektüre eine Entwicklung durchmacht und nachher nicht mehr genauso ist wie am Anfang.


Kommen wir zu den Nebenfiguren. Die gute Nachricht: Hier kann man sich austoben. Von Hals-über-Kopf-schräg bis zu stillem Mauerblümchen ist alles erlaubt. Die einzige Regel: Glaubhaft bleiben! Solange die Figuren echt wirken, wird man nicht aus dem Lesefluss gerissen und ist nicht gezwungen zu denken: "Das ist aber jetzt wirklich unlogisch!" Man sollte die Nebenfiguren nicht unterschätzen, denn sie sind die Hauptfiguren im Leben der Hauptfigur. Wir erleben die Geschichte aus Sicht dieser und somit sind für uns auch die Nebenfiguren praktisch Hauptfiguren. Was läuft im Hintergrund ab? Weiß die Hauptfigur vielleicht nichts von einem Geheimnis, das die beste Freundin mit der Direktorin teilt? Welche Beziehung hat die Frau von nebenan zum Onkel?

Während man einen Roman oder ein Buch schreibt, sollte man sich immer darüber im Klaren sein, dass auch die Nebenfiguren ein Leben haben. Was denken sie über die Handlungen der Hauptfigur? Sind sie vielleicht neidisch? All dies ist wichtig, um die ganze Geschichte glaubhaft wirken zu lassen. Je besser solche Hintergründe ausgearbeitet sind, desto besser kann auch der Autor mit seinen Protagonisten arbeiten, weil er sie kennt.

Für mich sind die Personen in meinen Büchern keine Marionetten, mit denen ich spielen kann, wenn ich will. Sie leben. Alles, was ich tue, ist, ihre Geschichte aufzuschreiben,


Soviel also zu der Figurenbildung in Büchern. Ich hoffe, ich konnte dir etwas helfen. Wie gesagt gibt es grundsätzlich keine perfekte Anleitung, um eine tolle Person zu erschaffen. Es kann auch sein, dass jemand hier keinen meiner Tipps beherzigt und trotzdem einen großartigen Roman schreibt. Die Qualität einer Figur hängt von vielen Faktoren ab. Einige davon kann man einfach nicht in Worte kleiden. Was du gelesen hast, sind die Richtlinien, denen ich versuche zu folgen. Du kannst dir natürlich auch deine eigenen bauen.


Ich wünsche auf alle Fälle viel Spaß und Freude beim Schreiben! Und wenn du einmal keine Ideen zu Figuren hast, warte einfach, bis sie dich finden. Vertrau mir. früher oder später wird das der Fall sein.


Bis nächsten Sonntag! :-)



 
 
 

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