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Die Schattenseite von Weihnachten

  • Autorenbild: chiarasue
    chiarasue
  • 20. Dez. 2020
  • 4 Min. Lesezeit

Leise läuten die Kirchenglocken in der Ferne. Sanft glitzern die Sterne, während man aufgeregt ins Haus stürmt, wo man von einem strahlenden Christbaum erwartet wird. Unter den saftigen, grünen Nadeln häufen sich hübsch verpackte Geschenke. Der Raum wird von den Leuchtkerzen am Baum in ein sanftes Licht getaucht.


Wer von uns würde sich nicht so ein ideales Weihnachtsfest wünschen?

Die Realität sieht leider meistens anders aus. Mein Highlight von versautem Weihnachten ist ja immer noch, als sich mein kleiner Bruder damals nach der Kindermesse ins Auto übergeben hat. Da war dann Aufwischen angesagt anstelle von Geschenke auspacken.

Als die meisten von euch den Titel gelesen haben, hat sich in ihnen automatischer Trotz geregt: Die Schattenseite von Weihnachten? Aber Weihnachten ist doch so ein schönes, nettes Fest, das man nie mit etwas Negativem in Verbindung bringen könnte! Diesen Gedanken erlauben wir uns nicht. Warum? Warum muss Weihnachten immer perfekt sein?


Bei all diesen Weihnachtsvorbereitungen wird nämlich eine grundlegende Sache vergessen: Man kann Weihnachten nicht vorbereiten. Natürlich kann man Geschenke besorgen, einen Baum aufstellen und schmücken und eventuell einen Eimer ins Auto stellen, um die unweigerlich ungemütlichen Konsequenzen möglicher Magenbeschwerden vorzubeugen.


Aber das Gefühl von Weihnachten kann man einfach nicht erzwingen. Zumindest ist es mir noch nie gelungen. Und ich habe auch herausgefunden woran das liegt:

Ich habe zu viele Erwartungen. Die ganze Adventszeit lang freut man sich auf dieses eine große Fest. Man kauft Geschenke, öffnet täglich ein neues Türchen im Adventskalender und sieht freudig den Feiertagen entgegen. Allerdings läuft diese Vorweihnachtszeit nicht immer so gemütlich ab, wie man sich das vorstellt. Die ursprüngliche Freude hinter der Idee des Verschenkens verschwindet unter einem Berg aus To-Do-Listen. Denn für die Tante muss ich noch etwas besorgen und der Cousin erhofft sich bestimmt eine Weihnachtskarte. Kekse haben wir auch noch keine gebacken und der Christbaumstern hat doch letztes Jahr einen niederschmetternden Sturz verkraften müssen, oder?


Neben all den Traditionen, die nicht mehr erfüllt werden wollen, sondern müssen, hat man so viele andere Dinge im Kopf, dass man den 24. Dezember plötzlich nicht mehr herbeisehnt, sondern mit Schrecken erwartet. Wird bis dahin alles erledigt sein? Und genau an diesem Tag soll plötzlich alles perfekt sein?

Also eines kann ich euch versichern. Wer am 23. Dezember völlig erschöpft und mit den Gedanken bei den Verwandtenbesuchen irgendwo am Ende der Welt ins Bett fällt, wird am nächsten Tag nicht voller Glückseligkeit aus den Federn springen, weil auf einmal Weihnachten ist.


Viele Feiertage und vor allem Weihnachten sind mit einem großen, emotionalen Druck verbunden. Im Vorhinein muss ich jede Menge vorbereiten, aber in diesem einen Moment soll dann alles perfekt sein. Da will ich dann spüren, dass es sich ausgezahlt hat. Zumindest bei mir ist das aber oft gerade dadurch nicht der Fall. Wenn ich so hohe Erwartungen an einen bestimmten Zeitpunkt habe, kann dieser niemals meinen Vorstellungen gerecht werden und ich werde sicherlich enttäuscht werden. Ähnlich verhält es sich mit Geburtstagen. Habt ihr nicht auch manchmal das Gefühl, dass ihr euch an diesem besonderen Tag, der nur euch gehört, irgendwie anders fühlen solltet? Und dann ist aber alles ganz normal?


Tja, so ist das halt mit Feiertagen. Im Endeffekt sind es stinknormale 24 Stunden wie alle anderen halt auch. Der Tag ist nicht anders, nur weil es der 24. Dezember ist. Wir können ihn allerdings besonders machen. Aber nicht, indem wir uns monatelang darauf vorbereiten, sondern indem wir ihn genießen, wie er ist.

Weihnachten ist mit vielen Erwartungen verbunden. Man braucht einen Christbaum, einen Adventskranz, Geschenke. Man sollte gemeinsam Essen, mit der Familie in die Kirche gehen, sich freuen. Das hat man immerhin schon jedes Jahr so gemacht. Und da der Mensch ja grundsätzlich veränderungsscheu ist, hat er auch nicht vor, irgendetwas anders zu machen.


Aber vielleicht ist es an der Zeit, genau das zu tun. 2020 ist generell anders. Mit großen Verwandtenbesuchen sieht es dieses Jahr schlecht aus. Das macht dieses Weihnachten ohnehin schon einmal anders. Hinzu kommt noch, dass Gasthäuser geschlossen haben. Freunde soll man auch nicht treffen. Wir sehen uns mit einem neuen Weihnachten konfrontiert, aber das muss nichts Schlechtes heißen. Nutzen wir doch die ungewöhnliche Situation und versuchen, uns den Druck aus den Segeln zu nehmen.

Lösen wir Weihnachten von dem alljährlichen Besorgungsstress, lehnen wir uns zurück und ich bin mir sicher, es wird uns leichter fallen, ein Lächeln auf unsere Gesichter zu zaubern, wenn uns das Christkind besucht oder der Adventskranz herrlich strahlt. Zumal uns ja Weihnachten selbst einen wesentlichen Bestandteil des Festes schon seit ein paar Jahren nicht mehr gönnt: Schnee. Aber was soll man tun? Gegen die Natur kann man sich nicht stellen. Finden wir doch heraus, wie es ist, mit Veränderungen nicht in den Widerstand zu gehen, sondern sie zu akzeptieren.


Zu Weihnachten muss nicht immer alles weihnachtlich sein. Ob man es glaubt oder nicht: Man kann sich an diesem Tag auch streiten. Und das wird auch viel eher passieren, wenn man so darauf erpicht ist, alles perfekt zu machen. Meistens ist doch gerade das Unperfekte perfekt ;)


Trotz allem wünsche ich euch ein Weihnachtsfest, das ihr so genießen könnt, wie ihr es wollt! Wir hören uns wieder nächsten Sonntag!


 
 
 

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