Die Welt in mir
- chiarasue

- 31. März 2020
- 2 Min. Lesezeit
Hier einer meiner Texte. Ich habe ihn vor einem Jahr geschrieben und hoffe, er gefällt euch.
Wenn ich schreibe, bestehe ich aus Wörtern und atme Buchstaben. Meine Gedanken sind Sätze, die über Texte denken. Wenn ich schreibe, bin ich nicht mehr ich, ich bin Schrift. Ich bin Geschichte, die durch meinen Körper lebt. Ich bin Phantasie, die wie Tinte durch meine Adern fließt. Ich bin nicht mehr hier, ich bin dort; in einem Land der Literatur, wo Satzzeichen wie Gras wachsen und Winde Sagen von Helden und Schicksalen wispern. Wo sich mein Antlitz stetig wandelt und Buchstaben wie Früchte auf Bäumen wachsen, den Zeilenstamm hinaufwandern, in Satzanfängen sprießen und schlussendlich Wortblüten tragen.
Bis sie wie Schnee hinuntersegeln und sich am Boden zu Texten formen. Schließlich schwindet die Struktur, versickert Buchstabe für Buchstabe in der Erde. Zurück bleiben die Bausteine. Die Möglichkeit, sich eine neue Welt zu schaffen, die Grundessenz unseres Lebens, unserer Sprache, unseres Denkens. Das Fundament, aus dem sich Türme aus Träumen erheben, sich dem Himmel entgegenstrecken und die Sterne über den Horizont jagen.
Was wäre ich ohne Schrift?
Eine leere Hülle, ein nacktes Skelett. Eine Maschine. Denn es ist die Sprache, das Geschenk eine Stimme zu haben und die Fähigkeit zu denken, die uns zu Menschen machen.
Und gleichzeitig zu viel mehr.
Denn wenn ich schreibe, bin ich endlos und mein Herz ist das Tor zu einem Reich, in dem es keine Grenzen. Wo ich Wörter ein- und Welten ausatme. Wo mein Herzschlag im Rhythmus eines Jambus Silben durch meinen Körper pumpt und sich Ideen in meinen Gehirnwindungen tummeln. Wo ich Menschen durch meine Augen sehen lasse und nicht mehr bin als eine Hand, die einen Stift übers Papier tanzen lässt.
Danke für's Lesen :)




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