Ein alltägliches Mysterium
- chiarasue

- 14. Nov. 2021
- 4 Min. Lesezeit
Hey liebe Leute!
Willkommen in einem nebligen Sonntagmorgen! Der Fasching hat tatsächlich grauer begonnen, als man es sich vielleicht gewünscht hatte. Dafür kann man im Grau die verschiedenen Schattierungen ausmachen und bemerkt eventuell das Bunt darin. Aber bevor ich hier wieder in einen philosophischen Monolog über das Positive, das sich im Negativen versteckt, verfalle, beginne ich lieber sofort mit dem heutigen Thema: Sprache.
In meinem Studium hatte ich bis jetzt so einiges mit dem Begriff „Sprache“ und allem, was sich dahinter verbirgt, zu tun. Einiges davon fand ich eigentlich schon ziemlich interessant, weswegen ich mich dazu entschieden habe, euch auch in dieses Wissen einzuweihen. Wobei dieses eigentlich jedem klar ist. Das Spannende ist, darüber nachzudenken und es zu hinterfragen.
Ich bin mir sicher, dass jeder von uns als Kind schon einmal über die Sprache nachgedacht hat. Warum verwenden wir diese Wörter? Woher kommen sie? Wer hat sie sich ausgedacht? Weshalb? Sprechen Tiere und wenn ja, wie? Weshalb gibt es verschiedene Sprachen?
Ich habe mir früher immer vorgestellt, dass es einmal eine große Versammlung aller Menschen gegeben hat, wo festgelegt worden ist, mit welchen Begriffen man etwas bezeichnet. Dabei wurde zum Beispiel ein Stein hochgehalten und jemand sagte laut: „Stein.“ Das Wort wurde notiert und ab diesem Moment hieß der Stein Stein. Je älter ich geworden bin, desto mehr logistische Lücken sind mir in diesem System aufgefallen. Angefangen von „Wie haben sich die Leute denn das Treffen ohne Sprache ausgemacht?“ bis hin zu „Wie hätten sie sie ohne Schriftzeichen notieren sollen?“ sind immer mehr Fragen aufgetaucht, die mir gezeigt haben, dass es nicht ganz so abgelaufen sein kann.
Mein grundlegender Denkfehler war, dass ich immer nach der Erfindung der Sprache gesucht habe. Sprache wurde aber nicht erfunden. Sie hat sich entwickelt. Sie ist gewachsen. Ich verwende ein Baum verkörpert diese Entstehung unserer Sprache sehr gut. Es gab die Anfänge in der Steinzeit, diese bilden den Stamm. Langsam entwickeln sich immer mehr Sprachen, Dialekte und verzweigen sich in verschiedenste Äste. Einige Äste sterben ab und verenden im Nichts, während andere zahlreiche Zweige bilden. (Übrigens: ein Fakt für all jene, die hier tatsächlich etwas lernen wollen: Der übergreifende wissenschaftliche Begriff für eine Sprache oder einen Dialekt oder alles, was dazwischen liegt, lautet „Idiom“.)
Was aber wirklich jemand einmal erfunden haben muss, ist die Schrift. Die Zeichen. Die Buchstaben, die für uns so selbstverständlich eine Bedeutung in sich tragen. Fakt ist aber, dass die meisten Schriftzeichen rein gar nichts mit dem dazugehörigen Laut zu tun haben. Was macht ein a zu einem a? Höchstens das O könnte seine Form noch rechtfertigen, weil unser Mund eine Ähnlichkeit mit ihm hat, sobald er es ausspricht. Grundsätzlich sind unsere Schriftzeichen aber von uns selbst festgelegte („arbiträr“ und „konventionell“ wären die Fremdwörter) Symbole, die keinerlei logische Verbindung zu ihrem Klang haben. Wie soll man denn auch einen Klang aufs Papier binden?
Und heute, in den noch immer wachsenden Spitzen des Sprachenbaums, leben wir in einer Welt voller Sprachen-(oder besser gesagt Idiom-)vielfalt. Wir besitzen Wörterbücher, jede Sprache hat ihre eigenen Regeln und Normen. Wir nutzen sie jeden Tag, um uns mit unseren Mitmenschen zu verständigen. Wir sind fähig, andere Sprachen zu lernen und somit von Ast zu Ast zu springen. Je länger ich darüber nachdenke, desto unglaublicher erscheint mir diese Unmenge an Idiomen. Und dennoch ist die Sprache jedes einzelnen von uns einzigartig. Es gibt niemand zweiten auf der Welt, der sich genauso ausdrückt wie du.
Aber wozu nutzen wir Sprache nun überhaupt? Sprechen, klar. Schreiben. Kommunikation im Generellen. Nach Karl Bühlers Sprachtheorie von 1931 gibt es drei verschiedene Funktionen, wie wir Sprache im Bereich der Kommunikation nutzen:
1. Die ich-bezogene Funktion. Wir wollen ein persönliches Bedürfnis ausdrücken. Ein typisches Beispiel: „Ich habe Hunger.“ Oder „Ich muss aufs Klo.“
2. Die du-bezogene Funktion. Wir wollen jemand anderen zu etwas auffordern. Wir verlangen nach etwas oder formulieren eine Bitte: „Bringst du mir bitte den Keks?“
3. Die sachbezogene Funktion. Wir wollen etwas beschreiben, eine Geschichte wiedergeben, eine Information vermitteln. Dabei stellen wir keinen Appell oder präsentieren ein Bedürfnis von uns selbst. Es geht rein um den Inhalt des Kommunizierten. Z.B. „Der Himmel ist blau.“
Ich will euch mit diesen Fachausdrücken und Theorien nicht langweilen. Was ich daran so spannend fand, war, dass man mithilfe dieser drei Funktionen wirklich alles zusammenfassen kann. Oder fällt euch noch etwas anderes ein? Dann habe ich mir die Frage gestellt, was ich mit meinen Büchern erreichen will und bin zu dem Schluss gekommen, dass diese Art von Sprachvermittlung eine Mischung aus allen drei Funktionen ist: Mithilfe meiner Bücher drücke ich viele persönliche Eindrücke und Ideen aus. Andererseits will ich mit ihnen auch etwas bewirken. Ja, ihr habt richtig gehört: Auch in meinen Büchern versteckt sich eine Art Moral. Natürlich will ich zusätzlich einfach eine Geschichte erzählen. Ich will euch mit meinen Romanen unterhalten und eine neue Welt zeigen.
Kommunikation ist jedoch nicht das einzige, wozu wir Sprache nutzen. Achtung, es ist wieder ein Fremdwort im Anmarsch! Wir brauchen sie außerdem für unsere kognitiven Fähigkeiten. Einfach gesagt: Zum Denken.
Ich weiß nicht, wie das bei euch ist, aber ich kann nicht genau festlegen, wie ich denke. Es sind Wörter und Bilder und Gefühle im Spiel und irgendwie kenne ich mich aus, aber meinen genauen Gedankengang zu beschreiben würde ziemlich kompliziert und verwirrend werden. Ein Teil davon ist aber auf jeden Fall Sprache. Hin und wieder denke ich sogar in einer anderen Sprache. Wenn ich zum Beispiel gerade eine spanische Serie geschaut oder ein englisches Buch gelesen habe, erwische ich mich manchmal dabei, wie mein Gehirn automatisch in der anderen Sprache denkt. Unglaublich, wozu dieses fähig ist, auch wenn ich eigentlich gar nicht so gut spanisch sprechen kann…bewusst zumindest.
Ihr seht also: Sprache ist ein essentieller Teil unseres Lebens. Ohne sie könntet ihr nicht einmal jeden Sonntag diesen wunderbaren Blog lesen und da würde euch doch einiges abgehen, gebt es zu ;) Ich hoffe, ich konnte euch das Mysterium unseres Hauptkommunikationsmittels etwas näherbringen und habe euch damit nicht zu Tode gelangweilt.
Ich wünsche euch noch einen wunderschönen Sonntag! Ich werde jetzt mit meinem Freund gemeinsam feiern. (Wir haben unseren Halbjahrestag!) Und bevor ich euch fragt: Wer feiert denn sowas? Ich! Denn wenn es theoretisch etwas zu feiern und zum Freuen gäbe, warum dann darauf verzichten?
Bis nächste Woche, ihr Lieben!




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