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Ein Jahr - es hat sich viel getan

  • Autorenbild: chiarasue
    chiarasue
  • 4. Apr. 2021
  • 3 Min. Lesezeit

Ja, ja, ich weiß. Kein Mensch kann es mehr hören. Keiner will mehr darüber sprechen, geschweige denn daran denken. (Was der Situation entsprechend schwierig ist, drehen sich doch weiterhin alle Nachrichten darum.) In diesem Jahr hat es bestimmt keinen Tag gegeben, an dem einmal nicht der Begriff „Corona“ gefallen ist. So, jetzt habe ich ihn ausgesprochen (bzw. eigentlich geschrieben). Das tut mir leid, aber ich finde, wir sollten das Wort auch nicht zu etwas werden lassen, dass uns wehtut, wenn wir damit konfrontiert werden.


Angst vor einem Namen impliziert Angst vor der Sache selbst, wie J. K. Rowling bereits herausgefunden hat. Es ist auch nur verständlich, dass wir diese Anhäufung an Molekülen fürchten, die uns unser bisher gemütliches Leben geraubt und uns in diese Dystopie geworfen hat. Es ist schuld an all der Veränderung, die uns in den letzten Monaten widerfahren ist. Es ist verantwortlich für all den Verzicht, den wir erleiden müssen. Es trägt die Schuld an der zunehmenden Spaltung der Gesellschaft.


In diese Dramatik könnte man sich wunderbar hineinsteigern, was ich aber jetzt ausnahmsweise einmal nicht machen werde. Ganz einfach, weil es dem Sinn dieses Beitrags widersprechen würde.


Es gibt nämlich einen (zwar etwas schwer zu erreichenden, aber vorhandenen) Schalter, durch dessen Betätigung diese ganze Misere auf einen Schlag vorbeiwäre. Klick und aus. Du glaubst mir nicht? Dann hör (bzw. lies) mal gut (zu):


Bestimmt kennst du dieses Beispiel mit dem halb vollen bzw. halb leeren Glas, das immer verwendet wird, um Optimismus und Pessimismus bildlich darzustellen. So weit so gut. Der Optimist sieht das halb volle Glas, der Pessimist das halb leere. Und dann sind dir auch bestimmt diese furchtbar kitschigen Sprüche á la „Look at the positive sides in life!“ nicht unbekannt. Und so schlimm sich dies auch anhören mag, weil du es das letzte Mal auf einem uralten Polster auf der Eckbank deiner Uroma gelesen hast (vermutlich allerdings auf Deutsch), so wahr ist es doch.


Nein ehrlich.


Mit dem Blickwinkel ändert sich nun mal unsere gesamte Wahrnehmung. Als Fisch nehme ich einen Osterhasen anders war als ein Vogel. Als Maultier denke ich nicht wie ein Esel und auch nicht wie ein Pferd. Ich erlebe mein Dasein nicht einmal gleich wie meine Mutter, obwohl wir sonst so ziemlich ein- und dieselbe Person sind. Im Dunkeln sehen wir weniger als im Licht, würden wir nur auf allen vieren herumkrabbeln, wäre wiederum alles anders und… ja gut, ich denke, ihr habt verstanden, was ich meine.


Das Praktische ist, dass sich dieser Blickwinkel jederzeit verändern lässt. (Natürlich kann sich ein Fisch nicht einfach mir nichts dir nichts in einen Vogel verwandeln, aber darum geht’s auch eigentlich nicht. Er könnte nämlich zumindest versuchen, sich in eine Henne hineinzuversetzen. Die fliegt zumindest nicht. Step by step.) Aber grundsätzlich wollte ich eigentlich sagen, dass es nicht schwer ist, plötzlich das halb volle Glas zu sehen. Dies ermöglicht einem wiederum, das Leiden hinten anzustellen und nach pragmatischen, sinnvollen Lösungen zu suchen. Die lassen sich bekanntlich auch viel eher finden, wenn man guter Laune ist. (Oder hat hier schon mal jemand sein Osternest gefunden, obwohl man die Augen in stiller Wut zu zwei Schlitzen zusammengekniffen hat? Ich denke nicht.)

Was will ich also eigentlich sagen? Dass das alles nur so schlimm ist, wie wir es sehen. Nicht schlechter und nicht besser. Wenn wir die jetzige Situation annehmen, wie sie ist, und versuchen, die positiven Seiten daran zu sehen (Ich habe zum Beispiel die Besuche bei meinen Großeltern viel mehr zu schätzen gelernt.), können wir uns eine gewaltige, innere Qual ersparen.


Wo liegt jetzt also dieser Zauberschalter?

Gleich neben deinem Hypothalamus. In deinem Kopf. Ein Drücken genügt und schon sieht die Welt etwas rosiger aus. Die Schwierigkeit besteht darin aufzupassen, dass er nicht wieder zurückklickt. Ansonsten einfach noch einmal kräftig draufdrücken und irgendwann gewöhnt man sich daran, sich für die hübsche Seite des Lebens zu entscheiden.


Ich wünsche euch noch einen entspannten Ostersonntag und wünsche viel Erfolg beim Eiersuchen! Im Zweifelsfall die Augen einfach einmal weit aufmachen und das Licht hereinlassen ;)


P.S.: Diesen Blog gibt es nun schon über ein Jahr! Happy Birhtday!



 
 
 

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