Ein Planet voller Geschichten
- chiarasue

- 10. Jan. 2021
- 3 Min. Lesezeit
Wir leben in einer Welt voller Geschichten. Ist euch das schon mal aufgefallen? Bestimmt. Manchmal sitze ich im Zug und beobachte die Leute dort. Jetzt nicht auf eine unheimliche, stalkerische Weise, sondern einfach so. Ich frage mich, wer sind sie? Was führen sie für Leben? Was arbeiten sie? Haben sie Kinder? Einen Partner? Mögen sie Pizza Hawaii?
Natürlich ist mir klar, dass ich mit meinen Vermutungen wahrscheinlich nie richtig liege. Oder zumindest fast nie. Und doch ist es irgendwie faszinierend. Jedes Lebewesen auf diesem Planeten hat seine eigenen Gedanken, Probleme, lebt in seiner eigenen Welt und schreibt eine einzigartige Geschichte.
Und jede Sekunde beginnt eine neue, genauso wie jeden Moment bei einer anderen der letzte Punkt gesetzt wird. Ein ewig verwobener Teppich aus Erzählungen.
7,77 Milliarden Menschen. Mehr als 1 Trillionen Tiere. Das sind 1,00000000777 mal 10^18 Geschichten. Und da sind die Pflanzen noch nicht mal eingerechnet. (Natürlich könnte man sich jetzt streiten, ob Pflanzen auch eine Geschichte zu erzählen haben, aber man bedenke nur einmal, was ein Baum so alles erlebt. Pflanzen können unglaublich alt werden und obwohl sie sich vielleicht nicht von der Stelle bewegen, erleben sie um einiges mehr als wir Menschen, würde ich behaupten.)
Wer denkt sich das nur alles aus? Wie kann das funktionieren?
Jeder Mensch steckt in seiner eigenen Geschichte fest. Und dennoch ist diese mit so vielen anderen verknüpft. Wer weiß... vielleicht bist du ein Wendepunkt in der Geschichte einer anderen Person, die du eigentlich gar nicht kennst. Die Chaostheorie besagt, dass der Flügelschlag eines Schmetterlings das Ende der Welt herbeiführen kann. Überlege, was du alles ausrichten kannst. Jeder deiner Gedanken ist wichtig und spielt eine Rolle. So viele Gedanken. Und doch spielt alles irgendwie zusammen.
Ich selbst bin immer davon ausgegangen, dass spannende Leben von anderen geführt werden und war immer ganz zufrieden damit, die Abenteuer in meinem Kopf zu bestreiten. Doch kaum versieht man sich, wird die eigene Geschichte plötzlich erschüttert und man sieht sich mit Konflikten konfrontiert, die man höchstens aus Filmen kennt.
Es ist schon irgendwie verrückt. Oft überlege ich, ob wirklich alles schon festgeschrieben steht. Was ich tun werde und was mit mir passiert. Dass ich das hier gerade schreibe. Und wenn ja, wer hat sich das ausgedacht? Und warum?
Stellt euch vor, es gäbe dort oben irgendjemanden, der sich jede einzelne Geschichte ausdenkt. Ich weiß, das ist eigentlich unvorstellbar, aber nehmen wir es einfach einmal an. Dann wäre zumindest all das Leid auf der Welt zu erklären. Denken wir doch nur an uns selbst. Schon in der ersten Klasse habe ich gelernt, dass eine gute Geschichte einen Konflikt braucht. Sonst ist sie langweilig. Nicht jeder Film hat ein Happy End, nicht jedes Buch lässt dich Freudensprünge machen.
So tragisch es sich auch anhört: Man braucht Leid. Schon allein, um das Schöne schätzen zu können.
Wenn es also jemanden gibt, der all diese Probleme in mein Leben geschrieben hat, so bin ich ihm/ihr nicht böse. Ich verstehe das. Zumindest irgendwie. Man muss die Spannung aufrecht halten.
Und zwar überall. In allen Geschichten. Zu jeder Zeit. Und ich weiß, dass wir alle Herausforderungen meistern werden. Wir sind die Hauptpersonen in unseren Geschichten. Verhalten wir uns auch so. Schreiben wir eine gute Geschichte. Bis zum nächsten Kapitel!
P.S.: Da hätte ich doch fast vergessen, euch mitzuteilen, dass eine kleine Lesung von "Jenseits des Echos" diese Woche auf meinem Instagramkanal @fantasyforyouandme online gegangen ist! Viel Vergnügen beim Anhören ;)




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