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Fantasyfacts

  • Autorenbild: chiarasue
    chiarasue
  • 7. Juni 2020
  • 3 Min. Lesezeit

Fantasy ist eines der beliebtesten Genres des 21. Jahrhunderts und dennoch wird es oft nur belächelt und nicht ernst genommen. Mir persönlich geht das absolut gegen den Strich. Nicht selten kommt es vor, dass Leute erstaunt sind, wenn ich ihnen erzähle, dass ich bereits drei Romane geschrieben habe. Dann fragen sie meistens: „Und welche Arten von Romanen?“ Darauf lautet meine Antwort: „Fantasy.“ „Achso“, heißt es dann und das Interesse schwindet.

Ich will nicht einsehen, warum es leichter sein sollte, Fantasy-Romane als Bücher anderer Genres zu schreiben. Eigentlich könnte es sogar schwieriger sein. Man kann sich seine eigenen Regeln für seinen Roman ausdenken. Dadurch hat man natürlich mehr Freiheiten, aber auch mehr Arbeit. Damit das Ganze nicht unlogisch wirkt, muss man seiner eigenen Vorstellungskraft Grenzen setzen, innerhalb derer man anschließend die Geschichte entwickeln kann. Schreibt man einen Krimi, sind diese Grenzen bereits vorgegeben und man muss sich keine Gedanken um mögliche Überschreitungen machen. Das soll jetzt nicht heißen, dass Krimis weniger Aufwand als Fantasy wären, ich will damit nur betonen, dass sich auch Fantasyautoren durchaus viele Gedanken während des Schreibprozesses machen müssen.

Allerdings muss ich dir das wahrscheinlich gar nicht erzählen. Kennst du das, wenn man einfach gerade das Gefühl hat, sich über etwas aufregen zu müssen? In so einer Phase befinde ich mich zurzeit und du musst/darfst das jetzt mitausbaden. Also zurück zur Fantasy:

Wusstet ihr, dass das Genre ungemein schwer zu definieren ist? Dafür gibt es einige Gründe:

1. Wenn man einfach alle Bücher als Fantasy bezeichnen würde, in denen phantastische (also nicht unserer Realität entsprechende) Elemente vorkommen, wären sowohl die Bibel als auch der Koran als auch Ovids Metamorphosen als auch das Nibelungenlied und viele weitere Werke Fantasy.

2. Oben erwähnte phantastische Elemente sind nicht generell definierbar. Wenn nämlich zum Beispiel jemand an Geister glaubt, ist für denjenigen ein Geisterbuch keine Fantasy. Nun denkst du vielleicht: „Aber wer glaubt schon an Geister?“ Ich denke, es würde die meisten von uns überraschen, wie viele Menschen tatsächlich an die Existenz paranormaler Gestalten glauben.

3. Es gab Literaturwissenschaftler, die die Genrebezeichnung Fantasy auf Romane anwandten, die starke Gefühle (welche Art von Gefühl ist hierbei unterschiedlich) beim Leser hervorrufen. Wenn man kurz darüber nachdenkt, kann man auch diesen Ansatz getrost verwerfen. Somit wäre das Genre eines Romans vom Leser und dessen emotionaler Stimmung abhängig.

Trotz all dieser Schwierigkeiten kann sich jeder etwas unter „Fantasy“ vorstellen. Obwohl das Literaturgenre tagtäglich an Lesern gewinnt und mit ständiger Popularität glänzt, werden der Fantasyliteratur zahlreiche Kritikpunkte vorgeworfen.

Zum einen gibt es da den Vorwurf des „Escapismus“. Fantasy lässt die Leser die Augen vor der Realität verschließen. Sie flüchten in eine andere Welt und das ist auf Dauer nicht gut. Wenn ich das höre, kann ich nur lachen. Denn seien wir mal ehrlich: Wenn wir nicht gerade unsere eigene Autobiografie lesen, flüchten wir bei jeder Lektüre in andere Welten. Das Lesen ermöglicht doch genau das: einen Ausflug, während sich unser Körper eigentlich nicht bewegt. Es ist egal, ob wir einen Krimi, einen Liebesroman, eine Komödie oder einen Fantasyroman lesen: In unseren Gedanken befinden wir uns nicht mehr in der Realität.

Nun könnte man argumentieren: Aber diese anderen Romanen stellen wenigstens ein Abbild der Realität dar, daraus kann man lernen. Ich denke, dass viele Kritiker überrascht wären, wie ähnlich manche Fantasy-Welten der Realität sind. Oftmals nutzt man genau diese Art der Verschlüsselung, um direkte Kritik an der eigentlichen Realität zu üben. In Zeiten der Zensur war das nur auf diese Weise möglich. Noch dazu kann man aus Fantasyromanen genauso lernen wie aus jeglichem anderen Belletristikgenre. Hier fällt mir als Beispiel gleich die „Percy-Jackson-Reihe“ von Rick Riordan ein. Ich habe aus keinem anderen Buch (und auch nicht in der Schule) mehr über die griechische Mythologie gelernt, als Percy mir auf seinen Abenteuern beigebracht hat.

Was ich also mit diesem Blogeintrag sagen will: Fantasy ist genauso ein wichtiges Genre wie jedes andere auch. Man muss sich nicht schämen oder nicht ernst genommen fühlen, wenn man Fantasy liest oder schreibt. Viele behandeln das Genre abwertend, weil sie nicht genau wissen, was genau eigentlich dahinter steckt. Anderen gefällt es einfach nicht, was ja auch vollkommen in Ordnung ist. Ich persönlich würde mich einfach freuen, wenn der Fantasy ein höherer Stellenwert im Bereich der Belletristik zuteilwürde. Immerhin gehören Tolkiens „Herr der Ringe“ und Rowlings „Harry Potter“ zu den meistverkauften Büchern aller Zeiten.

So, das war's mit meiner Tirade. Ich hoffe, es waren ein oder zwei interessante Fakten für dich dabei :)

Wir hören uns nächsten Mittwoch!


 
 
 

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