Grillen im Regen
- chiarasue

- 21. Juni 2020
- 3 Min. Lesezeit
Beim ersten Lesen erscheint diese Wortkombination ziemlich unangenehm, vor allem kalt und nass. Adjektive, die man normalerweise nicht gerne mit saftigem Grillfleisch und brutzelnden Zucchini in Verbindung bringt. Also ich für meinen Teil bringe eigentlich nie etwas gerne mit brutzelnden Zucchini in Verbindung, nicht einmal Ananas, die ich ansonsten überall hinzufügen könnte.
Wie dem auch sei, dennoch haben wir heute im Regen gegrillt. Einerseits weil sonst das arme Grillfleisch versauert wäre und andererseits weil man sich von den kleinen Gemeinheiten des Lebens (Wetter) nicht von seinen Plänen abbringen lassen soll. Leider passiert das allzu oft. Gerade bist du voll motiviert, deine lange geplante Laufrunde zu starten, als plötzlich eine Wolke am Himmel aufzieht. Na, das ist halt wirklich Pech, da kann man nichts machen, ab auf die Couch! Oder du sitzt schon schreibbereit am Schreibtisch, den Laptop aufgeklappt, alles steht bereit. Auf einmal klingelt dein Handy, deine Freundin ist dran und braucht ganz dringend deine ganz persönliche Fashionberatung bezüglich ihrer kürzlich erworbenen Jeans. Es ist, als würde das Schicksal nicht wollen, dass deine Pläne aufgehen wie Germteig.
Genauso ist es uns heute gegangen. Ein gemütliches Sonntagsgrillen im Familienkreis steht auf dem Plan und was passiert? Schon beim Aufwachen hatte ich das Gefühl, unter der Dusche zu stehen, weil der Himmel die Erde vollgeheult hat, als würde er gezwungen, seine Augenbrauen zupfen lassen zu gehen. Na auf jeden Fall gab es schon einen Plan B: Küche statt Griller. Aber dann kam mein Opa, der sich auch von den dicksten Wolken nicht abhalten lassen wollte. Während diese ihren Balast auf die Terrasse prasseln ließen, schnappte sich mein Opa einen Sonnenschirm und seinen Griller. Anstatt von Schatten spendete der Schirm Schutz vor den Wassermaßen, die in Rinnsalen über die Regenjacke meines Opas liefen. Doch siehe da: Das Feuer setzte sich gegen die wenigen Tropfen vom Dach des Schirms durch und schon bald brutzelten besagte Zucchini darunter.
Was will ich nun mit dieser Geschichte sagen? Nun, dass es immer irgendwelche Ausreden geben wird, warum man irgendetwas nicht machen kann. Wenn es nicht gerade die donnernden Wassermaßen sind, ist es vielleicht die unerträgliche Hitze. Immerhin willst du auch nicht riskieren, dass auf einmal der ganze Garten in Flammen steht, nur weil ein Funken sich aus dem Griller heraus aufs trockene Gras verirrt hat. Es gibt immer Zweifel in deinem Inneren, die dich von etwas abhalten wollen. Zumindest ist das bei mir so. Egal, was ich mache, irgendeine Stimme in meinem Inneren ist damit ganz und gar nicht einverstanden. Auch in meinen Büchern finde ich in jeder Szene etwas zu bemängeln. Das liegt ganz einfach daran, dass man nie alles richtig machen kann. Das ist nun einmal unmöglich.
Und genau deshalb muss in solchen Situationen oft einfach der Sonnenschirm zu einem Regenschutz umfunktioniert werden. Improvisation ist eine Kunst, die nur wenige richtig gut beherrschen. Und Improvisation ist vor allem auch beim Schreiben gefragt. Denn Schreiben ist auch eine Form von Leben. Wenn nun zum Beispiel die Hauptperson in einer dunklen Höhle ohne Licht feststeckt, kannst du sie nicht auf einmal etwas sehen lassen. Hat sie zufällig eine Taschenlampe dabei? Nein, das wäre doch viel zu langweilig! Sie könnte mithilfe eines Steins Feuer entfachen oder sich einfach im Dunkeln weitertasten. Womöglich stößt sie auf eine verlassene Zivilisation, deren Augen sich an die Finsternis angepasst haben und leuchten. Oder sie findet eine Fackel, die ein geheimnisvoller Höllenforscher zurückgelassen hat, als er in die Tiefe hinuntergestiegen ist?
Manchmal schreibt man sich in Ecken, aus denen man nicht mehr herauszukommen scheint. In solchen Situationen ist es wichtig, nicht den Mut zu verlieren und einfach weiterzudenken. Wie könnte es trotz allem weitergehen? Was sind die Ausgangsbedingungen? Wie könnte man die Szene aus einem anderen Blickwinkel sehen? Hier ist es wichtig, nicht aufzugeben und weiterzumachen. Sich trotz des heftigen Regens unter dem Dach hervorzuwagen, damit die Familie nicht auf das leckere Grillfleisch verzichten muss. Gut, das hört sich vielleicht dramatischer an, als es ist, aber für mich war mein Opa heute der Held, der mich aus der Höhle herausgeführt hat.
Was lernen wir daraus? Lass dich nicht von Kleinigkeiten, die im ersten Moment groß erscheinen, von deinem Ziel ablenken. Bleib stark und improvisiere! Irgendeine Lösung gibt es immer und mag sie noch so unlogisch oder aberwitzig erscheinen. Ich habe gelernt, dass die Grenzen des Möglichen viel weiter entfernt liegen, als ich ursprünglich gedacht habe. Und manchmal (okay schon öfter) liegt das Problem einfach darin, dass ich mir und meinem Umfeld zu wenig zutraue. Also: Trau dich!
Ich freue mich schon auf nächsten Mittwoch!




Ich finde, du hast in deinem Büchern alles richtig gemacht! ;)