Heilmittel Schreiben
- chiarasue

- 26. Juli 2020
- 2 Min. Lesezeit
Die Überschrift könnte vermuten lassen, dass du hier auf ein Rezept stößt, wie man sich ein Heilmittel gegen alles schreiben kann (dann müsste man das Schreiben aber mit kleinem s schreiben. In solchen Rechtschreibsachen bin ich leider manchmal sehr genau). Allerdings findest du hier keine Anleitung, um ein Heilmittel gegen alles zu schreiben, sondern viel besser: Das Schreiben selbst ist ein Heilmittel. Und zwar gegen alle Krankheiten, Probleme und auch Kleinigkeiten, die dir in deinem Leben begegnen werden.
Und wenn die faulen Schreiber unter euch jetzt denken: Oh nein, meine arme Hand wird mir so wehtun! – Keine Sorge. Nicht nur das Schreiben, auch Reden kann schon Wunder bewirken. Ein Beispiel:
Gestern habe ich mich fast den ganzen Tag über etwas geärgert. Ich war wirklich beinahe durchgehend sauer, konnte nichts genießen und hätte um ein Haar zu weinen begonnen. Was hat mir geholfen?
Ich habe mich eine halbe Stunde bei meiner Mama darüber beschwert. Ich habe geschimpft und gejammert und mich aufgeregt und es hat unglaublich gutgetan. Ich habe mir den Ärger von der Seele geredet und siehe da: Es hat gewirkt. Danach fühlte ich mich viel besser.
Solche Situationen habe ich schon einige erlebt. Ich führe auch ein Tagebuch, in das ich meine Wut oft einfach auslasse. Man kann Gefühle aus sich herausschreiben. In den letzten Wochen habe ich mir immer eingeredet, dass ich dafür jetzt keine Zeit habe und den Zorn oder die Trauer in mich hineingefressen. Dort hat sie sich dann festgesetzt und noch lange nachgeschmerzt.
Deshalb: Schreiben. Oder Reden. Beides hilft enorm, um die Erlebnisse zu verarbeiten und die Gefühle werden vielleicht nicht auf Anhieb verschwinden, aber zumindest abklingen.
Möglicherweise kann man auch Bilder malen und die Emotionen dadurch verarbeiten, davon verstehe ich zu wenig. Wenn ich ein Bild über meine Gefühle malen müsste, wäre das ein Gewirr aus bunten Linien, weil ich einfach nicht gut zeichnen kann. Allerdings hilft es natürlich auch, die Wut auszuleben, in dem man wild mit dem Stift über das Papier fährt. Oder Sport macht. Oder vielleicht abwäscht oder irgendetwas macht, um der Wut Luft machen zu können. Na gut, vielleicht war Abwaschen doch keine so gute Idee. (Ich höre die zerbrechlichen Teller schon in der Ecke zersplittern.) Aber Fakt ist, auch das hilft.
Unterdrücke deine Gefühle nicht, sondern mach etwas daraus. In meinem Fall ist halt Schreiben einfach das perfekte Heilmittel. Wenn ich die Texte, die dabei entstehen, im Nachhinein durchlese, frage ich mich immer, was denn da mit mir los war. Die Texte sind jetzt auch rein objektiv betrachtet alles andere als gut. Aber sie helfen. Und daran werde ich mich in Zukunft öfter erinnern.
Also: Wenn dich die Wut oder die Trauer oder vielleicht auch die Angst in nächster Zeit einmal packt und nicht mehr loslässt, schnapp dir einen Stift und ein Blatt Papier oder einen Pinsel oder einen Kochlöffel oder sonst was und lass das Gefühl frei! Emotionen wollen gelebt werden. Emotionen müssen gelebt werden oder man erstickt daran.
Probiere es einfach mal aus. Solange nichts zu Bruch geht, bekommst du auch bestimmt keinen Ärger. Genau wie das Weinen ist das Schreiben ein Heilungsprozess, der uns hilft, mit unseren Gefühlen klarzukommen. Man muss diese Möglichkeit nicht nutzen, aber ich für mich habe entdeckt, welche Wunder ein Stift in meiner Hand zur richtigen Zeit bewirken kann.
Ich wünsche euch allen einen schönen Sonntag!




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