Hinter der Maske des Schriftstellers
- chiarasue

- 18. Okt. 2020
- 3 Min. Lesezeit
Geht es euch nicht manchmal auch so, dass ihr ein Buch lest und euch voller Bewunderung fragt, wie der Autor das nur zustande gebracht? Sei es die Spannung, die euch mitreißt, das Gefühl, mitten drin zu stecken oder auch nur die Sympathie, die ihr für die Figuren empfindet, als würdet ihr sie persönlich kennen. Manchmal stellt sich mir auch die Frage, wie viel Recherchearbeit der Schriftsteller wohl leisten hat müssen, um sein Werk logisch und realitätsgetreu zu gestalten.
Hin und wieder überlege ich, ob ich es mir da nicht besonders leicht gemacht habe. Ich habe über keinen Ort recherchieren müssen, sondern einfach meine Phantasie spielen lassen. Dann kommt mir aber auch der Gedanke, ob das nicht eigentlich viel schwieriger ist. Immerhin muss man Gesetze für die eigene Welt erfinden und durchdenken. Man muss überprüfen, ob dieser fiktive Ort Sinn macht, ob er im eigenen Kopf entstehen kann oder ob er sich widerspricht. Man muss an ihm feilen, ihn verändern und anpassen, bis er einem realen Ort gleichkommt oder zumindest in sich nachvollziehbar ist.
Das soll jetzt aber nicht heißen, dass es leichter wäre, einen Ort zu beschreiben, den es wirklich gibt. Es ist genauso eine Herausforderung, echte Plätze zu schildern, wenn man sich vielleicht nicht mehr genau daran erinnert, wie sie aussehen. Womöglich ist es sogar schwieriger. Immerhin muss die Beschreibung einer bereits existenten Vorstellung beim Leser gerecht werden. Sollte jemand über meinen Heimatort schreiben und würde zahlreiche Fehler einbauen oder die Stimmung nicht richtig einfangen können, wäre ich dem Roman automatisch abgeneigt.
Nun bin ich aber etwas abgedriftet. Eigentlich sollte es heute darum gehen, welcher Aufwand hinter einem Roman steckt. Ganz abgesehen von der Veröffentlichung und dem Marketing. Allein im Schreiben liegt schon so viel Arbeit, die man nicht sieht, wenn man das fertig gebundene Buch in Händen hält.
Bei manchen Autoren wirkt das In-Worte-Fassen von Geschichten einfach. Jeden Monat zaubern sie einen neuen Roman aus ihrem Ärmel und dennoch scheinen diese nicht leichtfertig aufs Papier geworfen zu sein. Andere basteln jahrelang an einem einzigen Werk und sind im Endeffekt noch immer nicht zufrieden, wenn es schließlich am Markt ist. Manchmal meine ich zu spüren, dass ich solch ein Buch in Händen halte. Oft stellt es sich dann aber heraus, dass meine Vermutung nicht der Wahrheit entspricht.
Jeder Roman, den ihr im Buchladen seht, hat zwei Geschichten zu erzählen. Die eine, die in Wörtern auf seinen Seiten geschrieben steht und die andere, die den Schriftsteller bis dorthin begleitet, wo er das fertige Manuskript schlussendlich veröffentlich. Oft werden wir nie erfahren, wie diese zweite Geschichte lautet. Ob es dem Autor Spaß gemacht hat, diese eine Buch zu schreiben oder ob er dabei verzweifelt ist. Ob er eventuell erwogen hat, das gesamte Dokument zu markieren und mit einem einzigen Fingertippen ins Nirwana zu schicken.
Wir können nicht sagen, ob der Schriftsteller stolz auf sein Werk ist. Wir können Interviews hören, Zeitungsberichte lesen, seine eigene Meinung auf diversen Veranstaltungen hören, aber im Endeffekt werden wir nie sagen können, wie oft ihn seine Arbeit tatsächlich schon auf die Palme gebracht hat und fast versagen hätte lassen.
Was will ich nun mit diesem Beitrag ausdrücken?
Ganz einfach: Auch wenn ihr manche Bücher nicht mögt und sie am liebsten brennend aus dem Fenster in einen bodenlosen See werfen würdet, steckt (meist) viel Arbeit hinter den Seiten, die ihr dem Feuer opfern wollt. Das heißt nicht, dass sie euch gefallen müssen. Ganz und gar nicht. Ich will damit nur sagen, dass auch sie euren Respekt verdient haben. Sie haben einen Grund, in euren Händen gelandet zu sein und sie haben eine weite Reise hinter sich. Ihr müsst das Resultat nicht ehren, aber zumindest der Weg würde sich über eure Wertschätzung freuen ;)
Ich freue mich schon auf nächsten Sonntag! Bis dann ;)




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