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Ich habe es so satt

  • Autorenbild: chiarasue
    chiarasue
  • 31. Jan. 2021
  • 3 Min. Lesezeit

Ganz ehrlich: Unsere Welt ist verkorkster als jede Champagnerflasche. Oder ist es nur mein Kopf? Immerhin nehme ich durch ihn wahr und alles unterliegt seinem Schatten der unnötigen Komplexität und sinnlosen Verwirrungen. Hast du nicht auch manchmal das Gefühl, deine Gedanken arbeiten gegen dich? Mir geht es in letzter Zeit immer öfter so und inzwischen ahne ich auch, weshalb. Aber langsam, beginnen wir von vorne.


Jeden Tag scrolle ich durch Instagram und checke die neusten Bilder und Meldungen von meinen Abonnements. Ich lese die Bildbeschreibungen, verteile Likes, lache über Kommentare und tue vor allem eines: mich vergleichen. Ich vergleiche mich immer unterbewusst mit dem, was ich sehe. Und dabei ist es egal, ob ich mir „Boa, bin ich froh, nicht diese Nase mit mir herumschleppen zu müssen“ oder „Mann, diese Figur hätte ich auch gerne!“ denke. Im Nachhinein geht es mir nicht besser.


Im ersten Fall fühle ich mich schlecht. Woher nehme ich mir das Recht, über jemanden zu urteilen und ihn in eine Schublade zu stecken, obwohl ich dieser Person vielleicht noch nie begegnet bin? Das Äußere eines Menschen sollte nicht diese Reaktion in mir auslösen. Das ist ungerecht und außerdem falsch.


Allerdings kommt das sowieso nicht so oft vor. Denn seien wir ehrlich: Was wir in den sozialen Medien sehen, ist selten eine Person in ihrem alltäglichen Leben. Die Bilder sind entweder bearbeitet oder gestellt. Sie sollen ein perfektes Leben repräsentieren und kein authentisches. Obwohl „authentisch“ momentan im Trend ist. Der Haken an diesem Wort ist nur: Versucht man, es zu sein, ist man es nicht mehr.


Nun aber zum zweiten Fall: Ich fühle mich schlecht, weil ich die Menschen in meinem Handy beneide. Ich träume mich in ihr Leben, überlege, wie ich es erreichen kann. Und dabei vergesse ich, was ich in meinem Leben und an mir schätze. Andauernd geht es darum, sich auf sozialen Medien perfekt darzustellen. Aber ist es nicht viel schöner, wenn es nicht dargestellt ist? Wenn es echt ist? Also ich kann aus Erfahrung sagen, dass die schönsten Fotos von mir entstanden sind, als ich mir dessen nicht bewusst war.


Das ist aber noch nicht alles. Dieses andauernde Vergleichen macht mich krank. Jedes Mal, wenn ich dem Drängen nach dem Öffnen solcher Apps nachgebe, löffle ich Unzufriedenheit. Und das Abstrakte daran? Ich weiß, dass es mir dadurch schlechter geht. Ich bekomme manchmal sogar Kopfweh und mir wird schlecht. Lege ich das Handy deswegen zur Seite? Nein. Dieses verflixte Beobachten anderer, scheinbar wundervoller Leben macht süchtig. Ich beschäftige mich stundenlang tagtäglich mit fremden Menschen, ihren Gewohnheiten und Problemen. Ich meine, sie besser zu kennen als meine besten Freunde. Und dabei bin ich ihnen noch nie im Leben begegnet!


Und jedes Mal, wenn ich in den Spiegel blicke, wünsche ich mir, ein Stück mehr wie sie auszusehen. Ein Stück weniger ich selbst zu sein.


Ist das nicht schrecklich?


Aus diesem Grund habe ich soziale Medien erstmal in einen speziellen Ordner verbannt, den ich nur öffne, wenn es unbedingt nötig ist. Bis jetzt habe ich durchgehalten und ihn nicht angeklickt.


Das soll jetzt aber keine Aufforderung sein, es mir nachzutun. Genau darum geht es eigentlich. Ich denke, man orientiert sich im Leben generell viel zu sehr an anderen. Man fragt sich nicht mehr, ob etwas für einen selbst gut ist, sondern ob es aus gesellschaftlicher Sicht wohl ratsam ist. Ein Beispiel dazu: Ich treffe meinen Freund jedes Wochenende und uns geht es gut dabei. Jemand anderes meinte, das wäre zu viel und nicht normal. Sofort war ich verunsichert und habe unsere Beziehung von Grund auf in Frage gestellt. Erst, als ich meine Freundinnen gefragt habe, wie oft sie ihre Partner sehen, war ich beruhigt, weil es bei ihnen ebenfalls so war.


Man sollte das tun, was sich für einen selbst gut und richtig anfühlt (solange man dabei niemand anderem schadet). Dabei ist es egal, was andere dazu sagen. Man darf sogar zuerst die Milch und dann das Müsli in die Schüssel leeren, wenn man das gerne hätte. Wir brauchen auf unserer Welt mehr Individualität und nicht lauter Menschen, die behaupten, sie selbst zu sein, indem sie jemand anderem nacheifern. Es ist okay zu sein, wie man ist. Die eigene Nase ist okay, die Wangenknochen sind super und auch jedes Gefühl hat ein Existenzrecht. Tu mir einen Gefallen und vergleich dich nicht. Ich mag dich genauso, wie du bist, denn so bist DU! Und wer wärst du denn sonst? Manchmal ist es schwer, sich seinen eigenen Weg durch den kniehohen Schnee zu kämpfen (glaubt mir, ich spreche aus Erfahrung), aber im Endeffekt kann man auf seinen eigenen Weg zurückblicken und sieht keine fremden Fußstapfen anstatt der eigenen ;)


Bis nächsten Sonntag, meine Lieben!


 
 
 

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