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Jeder spielt sein Spiel

  • Autorenbild: chiarasue
    chiarasue
  • 4. Okt. 2020
  • 4 Min. Lesezeit

Guten Morgen allerseits!


Ich hoffe, es geht euch allen gut. Ich liege leider seit ein paar Tagen verkühlt im Bett. Aber was heißt "leider"? Trotz verstopfter Nase und stechenden Kopfschmerzen habe ich endlich Zeit gefunden, ein paar kleine Sachen zu erledigen, die ich ewig vor mir hergeschoben habe. Wie man also sehen kann, hat jede Situation, so schlecht sie auch erscheinen mag, ihre positiven Seiten. Man muss nur die Augen weit aufmachen, dann können sie einem nicht entgehen!


Aber kommen wir zu meinem heutigen Blogthema. In unserer Welt passiert momentan so viel. Angefangen von Corona über Fridays for Future bis hin zu Blacklivesmatterdemonstrationen. Wir befinden uns in einer Zeit des Umschwungs und der Veränderung. Ich habe mir nun schon oft die Frage gestellt, was ein einzelner Mensch in diesem verstrickten Netzwerk aus Staaten, Meinungen und Personen da überhaupt bewirken kann. Nun ja, es kommt vermutlich auf den Menschen an. Und genau dieser Gedankengang hat mich zu dem Text inspiriert, den ich heute mit euch teilen möchte. Viel Spaß beim Lesen!


Jeder spielt sein Spiel

Wo immer man auch hingeht, überall erblickt man nur rauchende Köpfe. Imaginäre Spielbretter der Macht, die sich über ganze Städte ausbreiten. Züge, die Menschen wortlos zu Boden fallen und erstarren lassen. Straßen bilden Bahnen und Spielplätze Felder. Dazwischen rasen die Fahrzeuge auf der Flucht vor ihrem Schicksal. Doch sie werden nicht entkommen. Denn irgendwo rollt ihr Würfel und wenn er fällt, ist es egal, wie schnell sie beschleunigen.

Sie alle streben nach oben. Nach oben zu Sternen. Wo sie auf ihren Thronen aus Followern und Paparazzi sitzen und keinen anderen Weg mehr sehen, als sich hinunterzustürzen. Der Ruhm war seit jeher ein Ziel, das niemals unverfolgt blieb. Die Chance, über den anderen zu stehen. Kein Mittel war zu schade zum Zweck, wenn es darum ging, Aufmerksamkeit zu erlangen. Wenn der Einsatz hoch genug war. Warum eigentlich? Fühlt es sich so gut an, dort oben zu sitzen? Sind die Sterne wirklich so nah? Oder erstickt man nicht eher an der Flut an Erwartungen, an dem Druck, den die nächste Partie mit sich bringen wird? Es ist nicht leicht, der Sieger zu sein.

Dennoch zinkt man hinter vorgehaltener Hand die Karten. Unter dem Tisch wird getauscht und selbst die ehrlichsten Menschen sehen sich gezwungen, die Regeln zu missachten. Wie sonst sollen sie mit den Profis mithalten können?

Und das Spielbrett erweitert sich Tag für Tag. Neue Regeln schießen aus dem Boden wie die Kresse im Sonnenschein. Neue Regeln, die man verleugnen kann. Neue Fallen, in die die nächsten Opfer stürzen werden. In dunklen Gassen lauert das Verderben der Unterwelt, während in aller Öffentlichkeit die Spiele der Mächtigen ausgetragen werden. Mit geschickten Schachzügen versuchen sie, ihren Gegnern die Pokercoins unter den Füßen wegzuziehen. Hinter Sonnenbrillen verborgene Augen blinzeln in die Karten der Partner. Und das Gesicht lächelt, während die Spielsteine des anderen vom Tisch rollen.

Womöglich ist in diesem Fall das Spiel der Verbrecher und Betrüger noch ehrlicher. Denn dort ist das Schummeln Teil der Regeln. Ganz im Gegenteil, zwischen Mülltonnen und Ratten gibt es keine Regeln. Entweder du gewinnst oder du verlierst. Es gibt keine pausierten Partien, keine Revanchen und keine Korruption.

In Wirklichkeit sind die Regeln nur der Heiligenschein der Großen. Die Maske, hinter der sie ihre Gesichter verbergen. Denn ohne Kresse würde niemand wagen, das Erdfeld zu betreten. Dass die Kresse längst verfault und vertrocknet ist, sieht man erst auf den zweiten Blick.

Wo soll man also hin? Das Spielbrett ist zu groß, als dass es eine Möglichkeit gebe, ihm zu entfliehen. Die Intrigen und Taktiken lauern hinter jeder Ecke. Es gibt niemanden, der hinter der hochgezogenen Kapuze nicht das eine oder andere Ass versteckt hält. Niemanden, der sich der Welt der Herausforderer entziehen könnte. Aber es gibt immer jemanden, der besser ist als der Beste und warum solltest nicht du derjenige sein?

Warum solltest du nicht die entscheidende Strategie entwickeln, die sie alle stürzen lassen wird? Die Mächtigen verrücken ihre Felder, vertauschen ihre Spielfiguren, benutzen andere Spieler, um an ihr Ziel zu gelangen, egal, was es sie kostet. Denn letztendlich zählt nur, ob man gewinnt oder verliert. Aber das ist der Unterschied zwischen euch. Die Großen fürchten den Sturz, den Verlust und klammern sich mit aller Macht an ihren Haufen aus Trophäen und Preisen. Du hingegen hast wortwörtlich nichts zu verlieren. Keine Ehre, keinen Ruhm, kein Geld, keinen Status. Die einzige Option, die dir bleibt, ist zu gewinnen. Nicht einmal dein Leben ist es wert, einen zweiten Gedanken daran zu verschwenden. Deine Freiheit. Denn das Leben ist auch nur ein Spiel und das Risiko weit mehr als verlockend. Der Reichtum winkt und vor lauter Münzen siehst du den trügerischen Glanz nicht mehr.

Die Falle ist gesetzt und du bist ihrer Trance verfallen. Was kümmert dich ein Leben zwischen Mülltonnen und Ratten, wenn ein Thron aus Pokalen nur darauf wartet, von dir erklommen zu werden? Und alles, was dich von ihm trennt, ist eine Partie. Ein winziges Spiel in deinem Leben der Spiele. Was macht das schon?

Du mischst die Karten, machst den ersten Zug, würfelst und beginnst zu spielen. Doch du ahnst nicht, dass der Vogel über dir eine ferngesteuerte Maschine ist. Du hast keine Ahnung, dass der manipulierte Schiedsrichter für seine korrupten Geschäfte bekannt ist. Und selbstverständlich bist du nicht auf den Gedanken gekommen, dass es genau dieser erste Zug ist, der dich in den Abgrund zurück stößt.

Das hier ist das Spiel der Großen und Ratten haben dort nichts zu suchen. Das hier ist das wirkliche Spiel um den Sieg der Siege und nicht eine kleine Rangelei um die letzten Essenreste im Müll. Das hier ist das größte aller Spiele und die Spieler werden mit jedem Zug weniger. Es ist das Spiel der Götter.

Dennoch nur ein Teil des einen Spieles, das die Welt vorhergesehen hat. Sie alle sind nur Teile. Das Spiel der Kanalratten, das Spiel der Betrüger, das Spiel der Mächtigen, das Spiel der Lebenden, das Spiel der Toten, das Spiel der Verlierer und das Spiel der Sieger. Teile des Spiels des Lebens.

Und so geht es weiter. Jeder spielt sein Spiel. Bis der letzte Würfel gefallen, das letzte Geld verspielt und der letzte Sieger gestürzt ist.

Verrückt, nicht wahr?



Ich muss zugeben, der Text ist ziemlich düster geworden. Berechtigterweise? Vermutlich. Dennoch sollte man nicht vergessen, dass das Leben es gut mit uns meint. Manchmal mag das schwer zu glauben sein, aber warum wären wir denn sonst hier?

Trotzdem ist es wichtig, sich mit den Schattenseiten des Menschseins auseinanderzusetzen und seine eigenen Denk- und Handlungsweisen zu analysieren. Denn im Endeffekt sind wir allein es, die uns selbst glücklich machen können.


Und mit diesen Gedankenanstößen wünsche ich euch noch einen wunderschönen Sonntag!





 
 
 

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