Mathe und Literatur...unvereinbar?
- chiarasue

- 29. Apr. 2020
- 3 Min. Lesezeit
Letzte Woche habe ich über Schreibstile geschrieben. Heute folgt ein Beispiel eines sehr außergewöhnlichen Schreibstils. Der Text ist durch eine Schulaufgabe entstanden. Es ging darum, einen nicht großartig ausgeschmückten Ausgangstext von Raymond Queneau durch einen gänzlich anderen Schreibstil auszudrücken. Dabei standen einige zur Auswahl und ich habe mich für einen (frag bitte nicht wieso) "mengenmathematischen" Schreibstil entschieden. Auch wenn sich mancher mit dem Verstehen schwer tun mag (Ich bin mir selber nicht sicher, ob alles genauso in mathematischer Form umsetzbar ist), hoffe ich, dass dir die Mischung aus Mathematik und Literatur gefällt. Also denk dir nichts, wenn es für dich keinen Sinn ergibt, manchmal frage ich mich selbst, was in mich gefahren ist, dass ich so einen Text geschrieben habe.
Das hier ist der Ausgangstext von Raymond Queneau:
Im Autobus der Linie 5, zur Hauptverkehrszeit. Ein Kerl von etwa sechsundzwanzig Jahren, weicher Hut mit Kordel anstelle des Bandes, zu langer Hals, als hätte man daran gezogen. Leute steigen aus. Der in Frage stehende Kerl ist über seinen Nachbarn erbost. Er wirft ihm vor, ihn jedesmal, wenn jemand vorbeikommt, anzurempeln. Weinerlicher Ton, der bösartig klingen soll. Als er einen leeren Platz sieht, stürzt er sich drauf. Zwei Stunden später sehe ich ihn an der Cour de Rome, vor der Gare Saint-Lazare, wieder. Er ist mit einem Kameraden zusammen, der zu ihm sagt: "Du solltest dir noch einen Knopf an deinen Überzieher nähen lassen." Er zeigt ihm wo (am Ausschnitt) und warum.
Und hier folgt meine mathematische Version:
Im Autobus S unterscheiden wir die Menge S‘ der sitzenden und S‘‘ der stehenden Fahrgäste. An einer gewissen Haltestelle befindet sich die Menge P der wartenden Personen im Defizit zur Menge der sich im Autobus befindenden Personen S‘+S‘‘. Als sich die Menge P zur Menge S addiert, was an der Haltestellte mit der Fläche von x Quadratmetern geschieht, entsteht ein Mangel an Platz, da sich die Sitzplätze im Bus (Sb) zu x im Verhältnis 1:3 befinden. Daraus resultiert eine neue Menge S‘‘, die durch die Addition der Menge P entsteht, wobei beachtet werden muss, dass q Personen von S und r Personen von S‘‘ subtrahiert werden, da auch q Variablen den Autobus verlassen und r Personen sich die durch die Differenz S-q entstandenen freien Sitzplätze krallen. Eine Komponente der Menge S‘‘ befindet sich in einem Gemütsaufschwung von schätzungsweise -88%. Besagte Komponente Y wird von der Menge S zu 67% skeptisch beäugt, da Y mit einem zu 200% zu langen Hals und einer Kopfbedeckung mit einer Kordel, die 10 cm kürzer als arithmetische Korden ist, aus dem üblichen Schema der Menge S‘+S‘‘ heraussticht. Die Komponente Y wirft einer weiteren Komponente Z (Z∈S‘‘) durchgehend vor, durch Einwirken von Z, den Schwerpunkt um durchschnittliche 30° nördlich beugen zu müssen und somit gezwungen zu sein, das Gleichgewicht zu verlagern. Komponente Y wendet dazu eine um 30% erhöhte Dezibelanzahl der Stimme und geringfügig gesenkte Normalen zur Nasenwurzel an.
Komponente Z beschleunigt auf die zehnfache Denkgeschwindigkeit, als 1 von S‘ subtrahiert wird. Gleich einer Diffusion wird Z sofort von S‘‘ zu S‘ verschoben.
7,2·1015 s später begegnen sich Z und Y erneut (Z∩Y ∉ S), wobei die Wahrscheinlichkeit dafür nicht einmal 0,13 betragen würde. Y erblickt ebenfalls Z1, der Z darauf hinweist, dass eine wichtige Variable K auf dem Mantel MZ fehlt.
So und bevor hier noch irgendjemandes Kopf explodiert, begebe ich mich besser in Deckung. Bis Sonntag!




Hihi😇