Mein Gott, ich bin ein Genie!
- chiarasue

- 21. Feb. 2021
- 4 Min. Lesezeit
Hallo! Heute habe ich mal wieder nach langer Zeit einen Text für euch. Er ist vor ungefähr zwei Jahren entstanden und trägt eine - aus meiner Sicht - unglaublich wichtige Botschaft in sich. Ich lasse ihn euch einfach mal lesen. Viel Spaß!
Mein Gott, ich bin ein Genie!
Wie oft ich diesen Satz gedacht habe. In fetten Großbuchstaben und mit drei Rufzeichen am Ende.
MEIN GOTT, ICH BIN EIN GENIE!!!
Und wie oft ich mich im Nachhinein dafür geschämt habe.
Warum schreist du so laut? Warum musst du dich unbedingt selbst davon überzeugen, wie großartig du bist? Warum kannst du nicht freundlich und bescheiden sein? Wieso stellst du dich selbst immer ins Rampenlicht?
Die Antwort ist: Weil ich es genieße, im Rampenlicht zu stehen. Und sei es nur für einen kurzen Moment, wenn die Scheinwerfer der Bühne diesen einen Augenblick auf mich gerichtet sind. Ich genieße es, wenn über meine Oberarme ein aufgeregtes Kribbeln läuft, wenn mein Körper mit Energie geflutet wird. Ich liebe diesen Zustand, wenn die Aufmerksamkeit für eine kurze Zeit nur auf mir liegt. Dann verfalle ich in Euphorie und im Nachhinein werde ich nicht mehr sagen können, was geschehen ist. Ich werde mich nur noch an das stolze, flatternde Gefühl in meinem Bauch erinnern, wenn ich an diese Momente zurückdenke.
Aber wäre es nicht eine Schande, dies zuzugeben? Prahlerei, davon zu sprechen, was man so gut gemacht hat? Sich selbst zu loben? Womöglich war es auch gar nicht gut. Womöglich war es sogar schlecht und ich bilde mir diese Euphorie nur ein. Es könnte nicht allen gefallen haben. Es könnte niemanden gefallen haben.
Doch hätte ich mich täuschen können? Wäre ich so von meiner eigenen Selbstliebe eingenommen gewesen, dass ich die finsteren Gesichter der Zuschauer durch das Licht der Scheinwerfer hindurch nicht gesehen hätte?
Und genau dann beginne ich, in meine Hülle zurück zu kriechen, den Mantel enger um mich zu schlingen und mein Gesicht zu verstecken. Denn ich will nicht, dass mich die Leute für arrogant halten. Ich will nicht, dass sie sehen können, wie sehr ich es genieße, im Rampenlicht zu stehen.
Und der Scheinwerfer zieht weiter. An mich erinnert er sich womöglich gar nicht mehr. Nun stehe ich nur noch in meinen Träumen auf der Bühne. Ich lächle schüchtern und kommentiere Komplimente mit einer abwinkenden Handbewegung.
Insgeheim jedoch vermag ich es nicht, diese Begeisterung für mich selbst ganz abzuschütteln. Diese Momente kommen immer wieder. Sie sind nicht groß, doch dann denke ich: Mein Gott, ich bin ein Genie. Diese Idee ist grandios. Das hast du unglaublich toll gemacht. Ich bin stolz auf mich.
Und genau jetzt frage ich mich: Warum wehre ich diese Gedanken ab? Warum lasse ich mich nicht stolz sein? Niemand mag Leute, die mit ihren Talenten angeben. Wir sind eifersüchtig auf sie, wir wollen ihre Aufmerksamkeit. Aber was ist falsch daran, zuzugeben, dass man von sich selbst begeistert ist? Was ist falsch daran, sich einzugestehen, wie sehr man sich selbst eigentlich mag?
Die nötige Aufmerksamkeit von außen wird vielleicht nie kommen, aber braucht man die überhaupt? Wenn man geliebt werden will, warum liebt man dann nicht sich selbst? Warum klopft man sich nicht selbst auf die Schulter und erlaubt sich zu denken: Ich bin ein Genie?
Ist es wahr? Bin ich arrogant? Darf ich an mich glauben?
Woher soll man schon wissen, was richtig ist und wieso es richtig ist? Oft ist es nur eine einzige Stimme, die fehlt, um jemanden zum Aufstehen zu bewegen. Menschen geben auf, wenn sie glauben, dass niemand hinter ihnen steht. Doch sie irren sich, denn es steht immer jemand hinter dir. Dreh dich um. Genau da ist er. Das Spiegelbild deiner Selbst, dein dunkler, ewiger Begleiter. Dein Schatten, dein zweites Du, wird immer bei dir sein. Du wirst immer bei dir sein. Warum solltest nicht du derjenige sein, der dich anschubst und raus auf deine eigene Bühne schleppt?
Wenn dich niemand gerne singen hört, wen kümmert’s? Du wirst dir zuhören und du wirst es großartig finden und du wirst denken: Ich bin ein Genie!
Das ist das, was zählt.
Gerade jetzt lese ich genau diesen Text. Und ich mag ihn. Die Theorie ist echt gut. Der Schreibstil könnte besser sein, aber hey, die Sonne ist untergegangen, es ist kalt und ich bin müde. In diesem Zustand einen solch philosophischen Text auszubrüten ist echt eine Leistung.
Mein Gott, ich bin ein Genie!
Genau. Ich denke, dass sich diesen Text viele Leute zu Herzen nehmen dürfen. Es ist nichts Falsches dabei, sich selbst zu loben oder über etwas zu freuen, dass man geschafft hat. Stolz ist wichtig. Natürlich macht auch hier die Dosis das Gift. Aber meistens sind aus meiner Erfahrung die Leute, die fürchten, arrogant zu wirken, das genaue Gegenteil. Bescheidenheit ist genauso nicht zu verachten, aber in zu hohem Maße begräbt sie alles Selbstbewusstsein unter sich.
Deshalb: Sei stolz auf dich. Ich meine es ernst. Halte doch kurz inne und denke an all das, was du in deinem Leben schon geschafft hast. Oder heute. (Aufzustehen zum Beispiel, das ist nämlich auch nicht immer leicht ;).)
Ich wünsche euch noch einen wunderschönen Sonntag! Was unternehmt ihr bei dem Wetter? Ist euer Tag actionreich oder seid ihr eher auf der Sonntag ist Chilltag-Seite? Für mich ist heute eher Letzteres der Fall! Bis nächste Woche :)




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