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Stolz und seine Vorurteile

  • Autorenbild: chiarasue
    chiarasue
  • 29. Nov. 2020
  • 3 Min. Lesezeit

Zurzeit reden wir in der „Schule“ (also eigentlich im Laptop) in Religion gerade über die sieben Todsünden und versuchen auch, die positiven Seiten der eigentlich negativ behafteten Eigenschaften herauszufinden. Eine von den Todsünden ist der Hochmut, der in meinen Augen nicht viel anderes ist als der Stolz, wobei Stolz öfter auch in positiver Bedeutung verwendet wird.


Es ist kein Problem zu sagen, dass man stolz auf jemand anderen ist. Es zeigt den eigenen Respekt vor den Leistungen einer anderen Person und hebt somit die eigene Bescheidenheit hervor – die gegensätzliche Eigenschaft zum Stolz. (Wobei allein die Aussage „Ja, ich bin sehr bescheiden.“ schon wieder von Stolz zeugen würde. Man kann also nie behaupten, bescheiden zu sein, wenn man nicht zur selben Zeit das Gegenteil beweisen will. Aus meiner Sicht ein äußerst spannendes Paradoxon!)#


Aber zurück zum Stolz. Wenn man nämlich nun stolz auf sich selbst ist, ist es nur ein kleiner Schritt zur Arroganz, was ich persönlich sehr schade finde. Kaum lobt man sich selbst und das in ernsthafter Weise, nicht per Spaß, wird man als überheblich dargestellt. Was einem also bleibt, ist der leise Stolz, der einem still und heimlich überfällt. Wie aus dem Nichts schleicht er sich in Form eines Grinsens auf deine Züge und zieht deine Mundwinkel nach oben. Doch wenn jemand nach dem Grund für die plötzliche Hochstimmung fragt, ist „Mein selbst komponierter Song ist einfach der Wahnsinn!“ nicht die Antwort, die dir zusätzliche Sympathiepunkte einbringen wird. Vorteilhafter wäre „Ach, es ist einfach so schön, dem Tag mit euch zu verbringen!“ oder „Ich freue mich, dass endlich wieder die Sonne scheint.“


Wenn man für seine Leistungen gelobt wird, ist ein bescheidenes Lächeln angebracht. Laut kundgetane Zustimmung ist unangebracht.

Schade eigentlich, oder?

Denn ist es nicht ungeheuerlich wichtig, stolz auf sich selbst zu sein? Respekt vor seinen EIGENEN Leistungen zu haben? Zufrieden mit sich selbst zu sein? Das ist eine Aufgabe, die zumindest mir immer sehr schwer gefallen ist. Vor allem, wenn mir etwas wichtig ist, zögere ich die Vollendung des Projektes hinaus, bis ich mir sicher sein kann, dass es perfekt ist. Natürlich ist es nie perfekt. Das ist unmöglich. Die Perfektion ist ein unerreichbares Ziel, das nie zum Glück führen wird.


Deswegen ist es nur gesund, sich einmal eine Pause zu gönnen und den Stift vor der dritten Korrekturphase zur Seite zu legen und stolz auf das Werk zu blicken, das man geschaffen hat. Sag es dir ruhig vor. „Das habe ich gemacht. Das ist mein Verdienst. Diese Leute sind meinetwegen glücklich.“ Und ist es nicht das schönste Gefühl, jemand anderem ein Lächeln ins Gesicht zu locken? Und diesen Leuten ist es egal, ob sich in dem Musikstück, das sie hören, ein schiefer Ton versteckt hat oder ob sie in dem heiß ersehnten Buch auf einen Rechtschreibfehler stoßen.


Zufriedenheit ist ein heiß umkämpftes Gut in unserer Gesellschaft. Es wirkt, als müsse man jahrelang kämpfen, um dieses Ziel schließlich zu erreichen. Dabei merkt man oft nicht, dass ein Gedanke genügt, um endlich angekommen zu sein.


Der springende Punkt ist nämlich, dass wir nicht in der Hand haben, ob irgendjemandem unsere Werke oder Leistungen gefallen. Alles, was wir tun können, ist unser Bestes zu tun. Für einen Vorgesetzten mag es nicht genügen, das ist dann natürlich niederschmetternd. Mich tröstet dann der Gedanke, dass es für mich sehr wohl genug war. Besser hätte ich es nicht machen könne. Ich war damit zufrieden und wenn das für meinen Vorgesetzten nicht zutrifft, ist das eben Pech. Nichts weiter. Pures Pech. Jemand anderem hätte es womöglich gefallen und ihn vor Freude in die Luft springen lassen. Manchmal kann ich gar nicht glauben, wie verschieden die Ansichten der Menschen sind. Was die einen begeistert, lässt die anderen mit offenen Augen einschlafen. Wir können nicht kontrollieren, wem wir gefallen, sondern nur, ob wir uns gefallen. Und das ist somit auch das Wichtigste.

Egal, was andere sagen, solange ihr zufrieden und stolz seid, kann euch niemand hinunterziehen. Versteckt euch nicht hinter falscher Bescheidenheit. Dies mag schwer sein und euch einige kritische Blicke von anderen einbringen, doch ihr müsst diesen Stolz auch nicht in die Welt hinausschreien (könnt ihr aber selbstverständlich, wenn euch der Sinn danach steht). Für mich reicht es, hin und wieder auf meine Leistungen zurückzublicken, zu lächeln und leise zu flüstern: „Ich bin stolz auf mich.“


Denn das bin ich tatsächlich. Ja, ich bin stolz auf mich. Auf alles, was ich erreicht habe. Und auch auf alles, was ich zwar nicht geschafft, aber zumindest versucht habe. Und es gibt keinen Grund, warum ihr nicht auch stolz auf euch sein dürftet. Denkt doch einmal an all das, was ihr schon zustande gebracht habt! Und seien es nur die köstlichen Lebkuchen, die ihr gestern gebacken habt!


Ich hoffe, ich konnte euch den ersten Adventsonntag etwas versüßen! Bis nächste Woche ;)




 
 
 

2 Kommentare


chiarasue
chiarasue
29. Nov. 2020

@tobihauer001 Vielen Dank! Ich bin auch ganz stolz auf dich, dass du mein neues Buch liest ;)

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tobihauer001
tobihauer001
29. Nov. 2020

Deine Bücher, auch das Neueste, verzaubern mich und machen mich glücklich! Ich bin stolz auf dich und du auch. Vollkommen zurecht! ;)

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