Warum das Schreiben eine Reise ist
- chiarasue

- 15. Apr. 2020
- 3 Min. Lesezeit
Allein sein zu müssen ist das Schwerste, allein sein zu können das Schönste. - Hans Krailsheimer
Manche Dinge weiß man eben erst zu schätzen, sobald man sie nicht mehr haben kann oder darf. Ich persönlich finde, es ist eine Riesenherausforderung, mit sich selbst allein klar zu kommen. Grundsätzlich ist man ja auch in dieser Zeit während der Quarantäne nicht vollständig von der Außenwelt abgeschottet. Aber es nun einmal doch etwas anderes, mit den Freundinnen durch die Stadt zu schlendern, als im eigenen Zimmer vor dem Handy zu sitzen und durch die endlose Welt des Internet voneinander getrennt zu sein.
Alleine wird mir immer viel zu schnell langweilig. Deswegen schreibe ich unter anderem Bücher. Denn während ich schreibe, bin ich nie allein. In meinem Kopf lebe ich dann in einer Geschichte und erlebe zusammen mit den Figuren, über die ich gerade schreibe, ein Abenteuer. Mein Kopf ist mein Lieblingsflugzeug. Mit ihm kann ich überallhin fliegen. Auch an Orte, an denen sonst niemand ist und auch noch nie jemand war. So gesehen ist doch allein sein auch etwas Schönes. Wenn man sich alleine eine Welt erträumt. kann sie genauso sein, wie man es selbst möchte. Niemand anderes darf mitbestimmen und niemand kann etwas verändern außer einem selbst.
In meinem Kopf kann ich mit den Menschen reden, mit denen ich gerade reden möchte. Ich muss keine Maske aufsetzen und kann mich so zeigen, wie ich bin. Und sie akzeptieren mich auch, wie ich bin. In meinem Kopf kann ich eine Heldin sein. Ich kann die höchsten Berge besteigen, ohne außer Atem zu kommen. Ich kann bis zum Grund des Meeres tauchen, ohne Luft holen zu müssen oder eine Taschenlampe zu brauchen. Ich kann tanzen, ohne Angst zu haben, dass mich jemand beobachtet und sich heimlich über mich lustig macht.
Das einzige Problem bei alledem: Sobald ich die Augen aufmache, ist der Zauber vorbei.
Andererseits hat das natürlich auch praktische Seiten. Wenn ich gerade mit einem Yeti über den Mount Everest spaziere und plötzlich Hunger bekomme, steige ich einfach kurz aus, gehe in die Küche, fülle meinen Magen und schon kann's weitergehen. Dem Yeti sollte man aber besser auch etwas mitnehmen. Hungrige Yetis können sehr launisch werden, habe ich mir sagen lassen.
Das Schöne an diesen Reisen ist, dass ich nicht viel denken muss. Die Geschichte passiert ganz von selbst. Ich bin nur ein Teil. Oder ein Zuseher. Viele Leute haben mir inzwischen gesagt, dass sie sich, wenn sie meine Bücher lesen, fühlen, als ob sie einen Film schauen würden, weil man sich alles so genau vorstellen kann. Für mich ist das nur logisch, weil ich eigentlich auch einen Film sehe, während ich schreibe. Einen 5D-Film. Ich bin mitten im Geschehen und alles, was ich noch tun muss, ist das Erlebte auf's Papier zu bringen.
Manche würden Schreiben als eine Flucht bezeichnen. Das kann es auch sein. Aber das Wort "Flucht" hat so etwas Gefährliches an sich. Wovor fliehe ich denn? Der Realität? Der Langweile? So gesehen ist jede Reise eine Flucht.
Und in Zeiten wie diesen lässt es sich wunderbar reisen, wunderbar flüchten und wunderbar schreiben. Versuch es doch auch einmal. Mach die Augen zu oder betrachte etwas, was dich fasziniert. Warte, bis dich deine Ideen abholen und in ein Land mitnehmen, das nur dir allein gehört. Und sei nicht wütend oder frustriert, wenn es nicht gleich beim ersten Mal funktioniert. Vielleicht hat dein Zug einfach nur Verspätung... Und sieh es positiv: Hier musst du keine Schutzmaske tragen!
Und sollte alles nicht helfen, weil deine Gedanken dich einfach nicht loslassen wollen: Versuch zu lesen. Mein Buchtipp für die Coronazeit: "Auch das geht vorbei: Glücklich bleiben in schweren Zeiten" von Thomas Brezina. Von weisen Ratschlägen bis lustigen Übungen zum Glücklichsein ist alles dabei!
Ich wünsche euch entspannenden Sonnentage (oder vielleicht doch viel Glück auf der Expedition durch die Wüste des Schlaraffenlands?) und bis zum nächsten Mal!




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